• images
  • 08:01
  • images
  • Keine Kommentare.

Wo die Ideen herkommen

Image

Was ist eigentlich eine Idee? Der Legende nach ein singuläres Phänomen: Der einsame Wissenschaftler, dem nachts in seinem Labor durch ein Zufallsexperiment der entscheidende Durchbruch gelingt, der einsame Kreative, dem an völlig unerwarteten Orten (der Legende nach meist auf der Toilette) die Weltkampagne einfällt usw. Geschichten für solche “Eureka”-Momente gibt es viele. Und ab und zu sind sie wahrscheinlich sogar tatsächlich so passiert.

In seinem Buch “Where do good ideas come from – the natural history of innovations” kommt der amerikanische Author Steve Johnson allerdings generell zu einem anderen Schluß: Ideen entstehen als Ergebnisse von Netzwerken. Im physischen Sinne als Ergebnis von Neuronen-Netzen, die sich im Gehirn auf einzigartige Weise verbinden. Vor allem aber im übertragenen Sinn als Ergebnis von menschlichen Netzwerken. Johnson zufolge sind Ideen nicht einfach da. Sie lungern als Ahnungen und Teilideen meist schon eine Weile in verschiedenen Köpfen herum, werden diskutiert, angereichert und warten darauf,  daß irgendwann die Zeit reif ist, in irgendeinem Kopf zu etwas wirklich Neuem zusammengesetzt zu werden.

Und genau da liegt eine der großen Chancen der sozialen Netze für Marken und Organisationen. Co-Creation, Crowdsourcing, Crowdfunding – Social Media ist, richtig genutzt, so etwas wie der Turbo für Innovationsprozesse. Denn nie war es einfacher als heute, neue Netze zu bilden, alte zu vergrößern und anzureichern und damit mehr Zugang zu existierenden Teilideen und Ahnungen zu haben. Die Gleichung für Innovation lautet, dem Gedanken von Steve Johnson folgend:

0image

 http://thisisindexed.com/

Allerdings entstehen die Netze nicht von allein, geht die Gleichung nicht von allein auf. Die daraus entstehenden Innovationspotentiale können nur unter bestimmten Bedingungen genutzt werden:

  1. Viele vernetzte Mitarbeiter in der Company. Ausgestattet mit der Lizenz, diese Netzwerke auch während der Arbeit zu pflegen.
  2. Keine Silos. Silos sind das Gegengift zu interdisziplinär funktionierenden Netzen. Und damit das Gegengift zu innovativen Prozessen.
  3. Informationsfluß nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch in das Unternehmen hinein. Und hinaus. Netzwerke kennen keine Companygrenzen und nicht jede Teilidee, jede Ahnung kommt aus der eigenen Organisation.
  4. Innovation entsteht gerade auch an den Rändern einer Organisation. Deshalb: Netze an den Rändern beachten.
  5. Weniger Datenbank-gespeichertes Wissen, weniger Wissenskonservierung, mehr Bereitschaft zu laufender Infragestellung des Status Quo und Erneuerung.
  6. Möglichst viele Mitarbeiter in Innovationsprozesse einbeziehen. Und das in immer wieder wechselnden und interdisziplinären Teams.


Der Preis ist heiß. Wie McKinsey in ihrem Quarterly “The rise of the networked enterprise: Web 2.0 finds ist payday” feststellte: ““…fully networked enterprises are not only more likely to be market leaders or to be gaining market share but also use management practices that lead to margins higher than those of companies using the Web in more limited ways.” Wer als Organisation in Netzen und vernetzt denkt und handelt, gewinnt.

Wie der Google-Chef Eric Schmidt kürzlich vorrechnete, hat die Menschheit seit Beginn der Zivilisation bis 2003 etwa 5 Exabytes an Informationen produziert. Heute kommt dieselbe Menge bereits in 2 Tagen zustande. Nicht, das wir all diese Informationen brauchen. Im Gegenteil: Vieles davon scheint höchst überflüssig. Aber in all den Informationen stecken eben doch interessante Teilideen, erste Ahnungen von Ideen, die Unternehmen und Marken erfolgreich machen können. Um das innovative Potential in diesem Informationsoverkill zu entdecken, neu zusammenzusetzen, weiterzuentwickeln und zu neuen Ideen zu formen, braucht es Unternehmen, die bewußt auf den freien Fluß der Informationen in sozialen Netzen setzen.

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar