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Wie man seinem Unternehmen die Kreativität austreibt!

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“Nicht die Großen fressen mehr die Kleinen, sondern die Langsamen werden von den Schnellen einkassiert. Denen mit den schnelleren Ideen. Die schneller mehr Ideen haben. Und deshalb müssen wir zur Ideen-Company werden. Wir müssen Ideen zulassen, fördern, feiern. Unsere Kreativität braucht eine höhere Schlagzahl. Wir brauchen Workshops, Querdenker, Ideenhaber!” So und ähnlich schallt es einem in diesen Tagen überall entgegen aus den Meetingräumen des Marketings, der Produktentwicklung, den Vorstandsetagen. So steht es dieser Tage in allen Geschäftsberichten und Hochglanzbroschüren als Dokument von Anspruch und gelebter Wirklichkeit.

Komisch nur, daß die Realität in den digitalen und realen Schauräumen der Marken, den Regalen, den Webshops und den Schaufenstern eine so triste “me-to”-Sprache spricht. Wirklich komisch? Schaut man mal genauer hin (und glaubt Teresa Amabile, Professorin an der Harvard Business School und Autorin der Bücher The Progress Principle, Creativity in Context und Growing Up Creative), dann gibt es jedenfalls 6 ganz sichere Tips, damit aus Lippenbekenntnissen zur Kreativität nicht eine erfolgreiche Ideen-Kultur, sondern vor allem heiße Luft wird:

  • Der falsche Job für den falschen Mitarbeiter. Stellen Sie sicher, das die Jobs, in denen es um die kreativen Prozesse im Unternehmen geht, nach den Kriterien Verfügbarkeit, Dienstrang und Lebensalter (wahlweise entweder die Erfahrensten oder die Jüngsten) vergeben werden. Und fragen Sie auf keinen Fall nach besonderer Eignung, kreativem Denktalent und –besonders unwichtig- nach Teamfähigkeit. Damit nehmen Sie die erste Hürde auf dem Weg zu ideenfreien Arbeitsergebnissen.


  • Freiräume einschränken. Setzen Sie klare Ziele. Und sorgen Sie dann dafür, daß Sie möglichst keinen Spielraum lassen, wie diese Ziele zu erreichen sind. Zwei sehr gute Methoden dazu sind erstens das möglichst häufige Wechseln der Zielsetzungen im Prozess. Das limitiert die Zeit. Und zweitens müssen Sie Ihre Abneigung gegen die Benutzung neuer Methoden subtil deutlich machen. Das engt den Ideenfluß entscheidend ein.


  • Ressourcen einschränken. Kreativität ist nicht nur eine Frage von Zeit, sondern auch von Geld. Und zwar nicht das Geld, mit dem man die schicken Open-Space Büros für die Kreativitätstruppe ausstattet und ihnen noch einen Tischfußball-Tisch an den Wasserspender stellt. Sondern das Geld, das nötig ist, um den Mitarbeitern mentale Freiräume einzuräumen. Sorgen Sie also dafür, das Sie Zeitdruck mit Verknappung der Ressourcen paaren. Das verhindert besonders effektiv kreatives Arbeiten.


  • Vielfalt eindämmen. Verhindern Sie auf jeden Fall abteilungsübergreifendes Arbeiten jenseits der berühmten Fach-Silos. Sorgen Sie stattdessen dafür, das möglichst viele Leute im Ideen-Team die gleichen Talente, Leidenschaften und Erfahrungen mitbringen. Die kommen prima miteinander aus, die zur Kreativitätsentfaltung oft nötige Reibungshitze entfällt – und der Ideen-Output bleibt übersichtlich.


  • Immer schön kritisch bleiben. Sie wissen ja: Es ist einfacher, kritisch zu sein, als konstruktiv. Begegnen Sie also den Ergebnissen Ihres Ideen-Teams erst einmal mit ellenlangen Mängellisten, Auswertungen und kritischen Bewertungen. Mindestens genauso wichtig ist besonders harsche Kritik und öffentliche Bloßstellung des betreffenden Mitarbeiters oder Teams, wenn eine der neuen Ideen in der Implementierungsphase nicht gleich funktioniert. Die überlegen sich das beim nächsten Mal zweimal, ob sie noch eine Idee haben wollen.


  • Politik zulassen. Kreativität braucht Auseinandersetzung. Aber keine Hahnenkämpfe, Abteilungsinfights und sonstige Politikspielchen. Sorgen Sie also dafür, das Informationen zwischen den Teammitgliedern nur unzureichend hin- und herfließen. Fördern Sie Teamhierarchien und “Cover my ass”-Haltungen. Mischen Sie sich nicht als Schlichter ein, wenn die Kämpfe beginnen. Und schon wird der Ideenfluß zum Rinnsal.


Bei alldem sollten Sie vor allem sehr subtil vorgehen. Natürlich sollten Sie immer wieder deutlich machen, wie sehr Sie an die Kreativität des Teams glauben und wie sehr das Unternehmen auf tolle Ergebnisse setzt. Und das Sie alles tun werden, dem Team den nötigen Freiraum und die Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Wenn den Ankündigungen dann keine Taten folgen, steigert das den Zynismus der Mitarbeiter gegenüber der angeblichen Kreativitätskultur ins Unermeßliche und sorgt garantiert für das Ende der Bereitschaft, in Zukunft an solchen Prozessen konstruktiv teilzunehmen.

Sie wollen Kreativität gar nicht verhindern? Sie wollen ihr Unternehmen wirklich zu einem Unternehmen machen, daß sich langfristige Vorsprünge durch bessere Ideen sichert? Na, dann drehen Sie die 6 Punkte doch einfach in ihr Gegenteil. Sie werden schon sehen, was Sie davon haben…..

8 Kommentare

Alex

25.11.2011 14:46 Antworten

Ich bin rübergehuscht und dachte: hey, diese sehcs Punkte sind toll. Endklich mal einer, der von dieser Ideen- Kreativdoktrin runterkommt. Diese hirarchiegeprägten Laberrunden sind ja furchtbar ineffektiv – dieses von Doris Dörries "Männer" geprägte Bild einer Werbeagentur ist doch identisch mit dem Wahrheitsgehalt des PAten für Mafiastrukturen. Bei letzterem soll es allerdings eine rückwirkende Befruchtung gegeben haben. Vielleicht ist das bei ""Männer" und Agtenuren auch passiert. Ist mir aber noch keiner mit Gorillamaske und Messer im Bein im Fahrstuhl begegnet. Niur der Porsche stimmt noch. Na ja, jedenfalls habe ich Depp beim zweiten Lesen erst die Ironie geschnallt ….

hubertus von lobenstein

25.11.2011 13:34 Antworten

Matthias, das ist in der Tat nicht einfach, aber mit dem betriebswirtschaftlichen Rahmenhast du natürlich recht.

hubertus von lobenstein

25.11.2011 13:32 Antworten

Michael, die sind explizit mitgemeint gewesen…;-))

michael

24.11.2011 17:25 Antworten

Klingt auch nach ‘ner Menge Werbeagenturen, die ich kenne.

Stephan Zech

24.11.2011 11:33 Antworten

Ich denke, dass die Mission definiert sein soll aber nicht ein Zielsystem

Matthias Maschmann

24.11.2011 10:28 Antworten

Was die sechs Punkte betrifft, stimme ich generell überein. Wichtig ist nur auch, dass es trotz allen Freiräumen einen Rahmen gibt, und dieser ist in der Regel betriebswirtschaftlicher Natur. Es muss also bei aller Kreativitätsförderung jemanden geben, der in der Lage ist, einen Rahmen zu setzen, der das wirtschaftliche Überleben sichert und trotzdem nicht als Einengung für die Kreativität verstanden und empfunden wird. Uff, gar nicht mal so einfach…

Jens Kretschmann

24.11.2011 09:10 Antworten

Ich glaube nicht, dass man die 6 Punkte pauschalisieren kann. Egal ob man sie umdreht oder nicht. Ich halte es zum Beispiel für durchaus sinnvoll, wenn es Grenzen gibt in denen man seine Freiheiten ausleben kann. Nur so kann das heterogene Prinzip greifen in denen man die faktisch-rationalen und die kreativ-emotionalen Faktoren voneinander getrennt werden und doch eine Einheit bilden. Das heißt, die Ziele müssen gesetzt werden und die Fakten und der USP müssen klar definiert sein. Das schränkt natürlich etwas ein, aber wenn man über diese Dinge nicht mehr nachdenken muss, dann kann man sich auf den kreativen Prozess konzentrieren ohne sich ablenken zu lassen. Aber es gilt auch die Weisheit: "Jeder Jeck ist anders" und aus diesem Grund darf ich meine Argumente auch nicht pauschalisieren!

Tim

24.11.2011 08:36 Antworten

Zeiterfassung gehört übrigens auch dazu. Damit setzt man die Leute implizit auch unter einen wunderbaren Lieferdruck. Hab ich die Idee auch schnell (=effizient) genug gehabt?

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