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Warnung vor SM-Prognosen 2012

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Es ist wieder soweit: Der Monat der bombensicheren Zukunftstips, der fundierten 2012-Prognosen, der Top 10-Listen der Ins und Outs der letzten 12 Monate ist angebrochen. 11 Monate Rätselraten sind genug, spätestens im Dezember muß Gewissheit herrschen, was das nächste Jahr so bringt. Auch was die Zukunft in Sachen Social Media bringt, steht seit einigen Jahren spätestens im Dezember scheinbar fest und wird knackig und mit der Aura der Gewißheit formuliert in die Blogosphäre geblasen. Gerade die Top-Blogger unter den Marketing- und Social Media-Experten blicken dabei für ihre große Gefolgschaft besonders tief in die Kristallkugel. Nun ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden. Schließlich lesen wir auch die Jahreshoroskope und sonstigen Ausblicke in die nähere Zukunft immer wieder gern. Warum also nicht auch ein paar leidenschaftliche Social Media-Prognosen einfach dazupacken?

Weil das eben in seiner Konsequenz nicht zu vergleichen ist. Kaum einer würde seine privaten Investitionsentscheidungen auf der Basis des Bild-Jahreshoroskops treffen. Wohingegen zumindestens die am lautesten vorgetragenen Vorhersagen in Sachen digitaler Markenführung sich schon allein durch ihre massive Weiterverbreitung  nach dem Motto “Selbst xy hat darüber geschrieben. Da muß was dran sein!” quasi als sich selbst erfüllende Prophezeiungen im neuen Jahr fröhlich erst in Briefings und dann in den kommunikativen Umsetzungen wiederfinden. Und das nicht etwa vereinzelt, sondern sozusagen als vorhersagegetriebener Marsch der Markenlemminge.

Ende 2006 z.B. hieß es: Markenführung ohne Second Life ist eigentlich nicht möglich. Sie erinnern sich noch? Schauen Sie mal heute auf der Plattform vorbei. Nach neuesten Zählungen sind da zwar immer noch Millionen Menschen registriert, aber nur noch ein harter Kern von ca. 60.000 Aktivisten wirklich in der virtuellen Parallelwelt unterwegs. Was die da machen? Jedenfalls nicht mit Marken interagieren. Erfolgscases von Marken in Second Life? Eher Fehlanzeige.
Oder nehmen wir mal letztes Jahr. Da waren es u.a. die QR-Codes, die als “the next big thing” im mobilen Marketing abgefeiert wurden. Und was ist daraus geworden? QR-Mania im ideenfreien Raum. Kaum eine Marke, die nicht irgendwelche meist eher mäßig interessante Zusatzinformationen hinter den technisch ach so fortschrittlichen Vorhang eines QR-Codes gepackt hat. Interessant und relevant für die Zielgruppe? Egal, Hauptsache, man ist dabei. Das Ergebnis: QR-müde und QR-genervte Konsumenten, die fürs erste auch die wirklich gut gemachten Fälle mit Mißachtung strafen angesichts des ganzen restlichen QR-Elends. Deshalb mal 3 Tips im Umgang mit Social Media-Jahresendprognosen:

1. Prominenz hat nichts mit Trefferquote zu tun. “Television won’t last because people will soon get tired of staring at a plywood box every night,” sagte Daryl Zanuck, Chef der 20th Century Fox 1946. “With over 50 foreign cars already on sale here, the Japanese auto industry isn’t likely to carve out a big slice of the U.S. market.” prognostizierte Business Week1968. “There is no reason anyone would want a computer in their home,” sagte Ken Olson, Mitbegründer von Digital Equipment Corp. 1977. Und Steve Ballmer, CEO von Microsoft war sich 2007 sicher: “”[Apple's iPhone] is the most expensive phone in the world and it doesn’t appeal to business customers because it doesn’t have a keyboard which makes it not a very good e-mail machine…” Brauchen Sie weitere Beweise? Ob Prognose als Angsttrommeln im dunklen Wald a la Ballmer und Zanuck, als Ausdruck von Arroganz (Business Week) oder einfach Ignoranz (Olsen) – gerade vermeintlich besonders prominente Expertentips sind mit besonderer Vorsicht zu genießen.

2. Nicht alles, was passt, passt auch zu Ihnen. Nur, weil Sie etwas technisch bespielen können, heißt das noch lange nicht, daß es Ihre Marke besser macht. Und nur, weil es vermeintlich neu ist, muß noch nicht jedes Gadget, jede Plattform auch bespielt werden. Da lohnt sich viel eher der Blick auf die Marke und die Zielgruppe verbunden mit der Frage: Schaffe ich es tatsächlich mit meiner Marke, mit diesem Gadget/auf dieser Plattform meine Zielgruppe relevant und differenzierend konsequentes Markenverhalten zu demonstrieren. Wenn nicht, dann hilft auch vermeintliche Modernität im Umgang mit Medien nicht weiter. Auch und gerade dann nicht, wenn alle anderen es auch tun.

3. Nicht alles, was neu ist, muß ausprobiert werden. Zum Erfolg in der Social Media-Welt gehört das technische Commitment genauso wie das Talent, mit dieser Welt umzugehen. Das will hart erarbeitet werden. So verführerisch die neuen Spielzeuge zu sein scheinen, ist es oft ratsam, sich nicht gleich am Anfang die Meisterklasse auszusuchen, ohne die nötigen Grundlagen gelegt zu haben. Lust auf Social Media? Nur dann ratsam, wenn Sie, bzw. Ihre Marke Lust auf Dialog auf Augenhöhe in Echtzeit hat. Das will geübt sein. Ihr Facebook-Account läuft zur Zeit ohne dialogorientiertes Community-Management? Ihre bislang benutzen Plattformen laufen eher nebeneinander her, als vernetzt zu sein? Ihr Blog läuft eher schleppend? Dann macht es möglicherweise Sinn, sich nicht auch noch in die nächste Technik-Welle zu stürzen und stattdessen sich die Zeit zu nehmen, daß Angefangene richtig zu machen. Denn 4 Baustellen sind in diesem Fall sicher nicht besser als 3.

Meine Prophezeiung für 2012 ist deshalb ganz einfach: Auch für das nächste Jahr lässt sich die Spreu vom Weizen des immer schnelleren technologischen Wandels nicht per Prophezeiung trennen.  Was kommt, was wirkt, was floppt? Hören Sie nicht auf die vermeintlichen Experten. Finden Sie es auch nächstes Jahr heraus mit dem Markenversprechen Ihrer Marke als Kompaß und Ihrem Bauchgefühl als Navigationshilfe. Und mit der Entschlossenheit, lieber weniger Dinge richtig zu machen, als jeder neuen Sau durchs digitale Dorf nachzurennen.

Ach ja, und noch etwas: Sie müssen auf jeden Fall mehr Sport treiben. Steht nämlich bestimmt in Ihrem Bild-Jahreshoroskop….

5 Kommentare

ctd03

12.12.2011 14:51 Antworten

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hubertus von lobenstein

09.12.2011 12:40 Antworten

Vielen Dank!!! Das lässt in der Tat sehr viel Raum für Interpretation…..;-))

thestrategyweb

09.12.2011 11:18 Antworten

Das Feedback war wie folgt… Referent 1: "Wenn die WUV solche Blogposts featured, dann zeigt das den Qualitätsanspruch des Marketingmagazins. Allerdings muss man sagen, das daran auch so manche Wahrheit in der Grundaussage liegt. Die ganzen Prognosen sind nicht wirklich hilfreich. Alles ist im Social Web Fluss und derzeit sind schwer Tendenzen auszumachen." Referent 2: "Es gibt zwei Prognosen, die nur die wenigsten verneinen werden: Mobile und Social Gamification im Marketing sind im Trend. Hier wird sich im nächsten Jahr einiges tun." Eine breite Aussage, die viel Interpretations- und Prognosespielraum lässt.

hubertus von lobenstein

07.12.2011 17:11 Antworten

Danke fürs Feedback, Herr Meyer-Gossner. Erzählen Sie doch bei Gelegenheit mal, wie die Reaktionen des Panels waren….

thestrategyweb

07.12.2011 17:06 Antworten

Wunderbar! Von solcher Prognosteritis sich fern zu halten, ist sicherlich kein Fehler. Dennoch werden es die Social Media Evangelisten weiterhin lieben. Und: Perfekte Vorlage für meine Moderation morgen auf der SocialMedia-Xtreme Konferenz, wo wir im letzten Panel über die Zukunft von Social Media reden werden. Da habe ich ein paar Social Media Experten im Zukunftspanel und werde die mal mit ihrer Aussage vor dann doch keinem kleinen Publikum konfrontieren.Grüße aus Hamburg

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