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Wann ist gut gut genug?

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Reicht es, zuhause Müll zu trennen, fair gehandelte Nutella auf den Tisch zu stellen, den SUV gegen einen Fiat 500 einzutauschen und auf einen wirklich grünen Stromanbieter umzusteigen? Als Ausbaustufe 2 Tage Aufmerksamkeit auf der Utopia-Konferenz ( http://www.utopia.de/), ein Aufsichtsratsmandat bei der guten Sache und schließlich eine Fahrt nach Gorleben zur Anti-AKW Demo  mit den zwei großen Töchtern? Reicht das, um sich “gut” fühlen zu dürfen? Auch dann noch, wenn man den Fiat 500 in der Abarth-Variante bestellt hat, mindestens zweimal die Woche fliegt, nicht darauf achtet, ob die Eier von freilaufenden Hühnern sind und sich bei mehrfachen Reisen nach Stuttgart am Bahnhof immer ein bisschen wie ein fröhlicher Demo-Tourist fühlt?

Fragen wir mal anders: Reicht es, seine politischen Wurzeln in der Anti-AKW-Bewegung zu haben, als Partei zumindestens in der eigenen Programmatik immer irgendwie Kurs gehalten zu haben und in Jahren der Opposition und Regierung ausreichend glaubwürdige Köpfe an die Parteispitze gebracht zu haben? Reicht das, um als “gute” Alternative zur jetzigen Regierung mit Lizenz zur Bürgermeisterin, Ministerpräsident und dann Kanzler zu gelten? Auch dann noch, wenn immer dann, wenn man regierungsbeteiligt war, am Ende doch nur maximal der kleinste, gemeinsame Nenner dabei herauskam und der Satz “wollen hätten wir schon können, nur dürfen haben wir uns nicht getraut” zum rhetorischen Standardwerk gehört? Wenn man Politik als “Malefizspiel” (Zitat Renate Künast) bezeichnet?

Oder mal ganz anders: Reicht es, als großer Telekommunikationsanbieter einen CEO zu haben, der seine angeblich ernsthaft nachhaltige Company auf einer Utopia-Konferenz sehr glaubwürdig, sehr sympathisch und souverän vertritt? Der diese Company als erstes DAX Top10-Unternehmen zur Unterzeichnerin des “Changemaker-Manifests” von Utopia und den damit verbundenen Verpflichtungen macht? Reicht es, sich an vielen Stellen des Unternehmens von der Integration über kleinere Autos für Vorstände über die Frauenquote bis zum nachhaltigen Wirtschaften auf neue Wege zu begeben? Reicht das aus, sich als “gutes Unternehmen” fühlen zu dürfen und als solches auch von seinem Publikum wahrgenommen zu werden? Auch dann noch, wenn dasselbe Unternehmen, genau wie alle seine Konkurrenten sich z.B. bis heute nicht dazu durchringen kann, die Strahlung seiner jeweiligen Handys per Warnhinweis auszuweisen?

Ich wünschte, die Antwort auf alle diese Fragen wäre ein breites “Ja”. Denn dieses “Ja” würde den schwersten Teil einer Wegstrecke zu einem neuen Bewußtsein und Handeln honorieren: Den ersten, bzw. die ersten Schritte. Bei denen stolpert man am ehesten, kommt mit sich selbst, seinen Aktionären, seiner unmittelbaren und mittelbaren Umgebung ins Diskutieren, ins Wanken, ins Grübeln. Kritik an der Art der Schritte, Lachen über die ersten Stolperer – schon bei der Kindererziehung gibt es den Begriff der positiven Verstärkung statt ständiger Rummaulerei. Natürlich reicht der Entschluß, sich auf den Weg zu machen, nicht aus. Aber deutsche Gründlichkeit bei der Kritik der ersten Schritte kann vieles im Keim ersticken, was die Chance hätte, wirklich “gut” zu werden. Angesichts einer durchschnittlichen Verweildauer eines CEOs in deutschen Topunternehmen von ca. 3 Jahren gilt das insbesondere für Marken, die erste Schritte wagen. Denn nichts ist einfacher, als seine guten Intentionen bei zuviel Gegenwind dann eben anderswo auszuleben, oder es gleich ganz sein zu lassen.

Und noch etwas: In allen drei Fällen wäre ein “Ja” ein Beleg für Vertrauensvorschuß. Nicht jeder hat den verdient. Aber ihn aus noch so gutgemeintem Prinzip und Anlegen absoluter Maßstäbe von vornherein zu verweigern, wird die, die es verdient haben, nachhaltig verschrecken und eine Fortsetzung der ersten Schritte gefährden. Greenwashing hin, Marketing-Speak her – wir sind informiert genug (oder zumindestens in der Lage, es zu sein), um die Guten ins Töpfchen und die Schlechten sonstwohin zu packen, statt pauschal im Rundumschlag zu urteilen.

Insbesondere in Marketingabteilungen sitzen Menschen, die durchaus bereit sind, in ihren Unternehmen auch gegen innere Widerstände nachhaltigem Handeln einen entsprechenden Stellenwert zu erkämpfen. Die werden nicht alles am ersten Tag erreichen, sondern ihre internen Zielgruppen Schritt für Schritt mit ihrer Leidenschaft zu überzeugen versuchen. Die sollten wir feiern und ermutigen. Auch dann, wenn nicht gleich alle Ampeln auf grün geschaltet werden. Auch dann, wenn die Kommunikation ihres Handelns gelegentlich den eigentlichen Taten vorwegläuft. Sie haben die Chance verdient, zu zeigen, das sie es wirklich ernst meinen. Ich auf jeden Fall habe beschlossen, mir selbst und anderen in Zukunft häufiger mit einem “Ja” diesen Vertrauensvorschuß einzuräumen…

1 Kommentar

Daniel Jenett

12.11.2010 08:37 Antworten

Good thinkin!

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