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Von Plänen, Träumen und dem Leben.

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Der Plan war klar: Wir fahren nach Hannover, hauen die zu Null weg, wie die 8 Gegner vorher und führen mit 6 Punkten. Dachte Bayern München. Und verlor 2:1.

Der Plan war klar: Mit diesem Netz ist keine Politik zu machen. Schon gar keine programmatische. Und Wählerstimmen damit gewinnen? Ignorieren wir es einfach. Dachten sich die etablierten Parteien. Und lesen plötzlich Wahlprognosen für diese Piratenpartei, die im zweistelligen Bereich liegen. Bundesweit. Einer Partei, die vor allem die Netzbürger eingesammelt hat.

Der Plan war klar: Was verstehen Normalbürger schon von den Feinheiten des Bankengeschäfts. Das besprechen wir hinter verschlossenen Türen in den Casinos der Macht. Dachte die Politik, dachten die Banken. Jetzt schauen sie aus ihren Fenstern und sehen rund um die Welt bis an die Wall Street eben jene Normalbürger vor ihren Casinotüren stehen. Wütend. Und nicht nur Erklärung suchend, sondern Konsequenzen fordernd.

Der Plan war klar: Uns kann keiner. Wir wachsen, sind profitabel, Geschäftsleute lieben uns. Unser Weg ist der richtige, bloß nicht an die Knöpfe kommen. Einfach weiter so! Konkurrenz? Weit und breit nicht zu sehen. Dachte Blackberry. Und rennt jetzt seinen technischen Katastrophen, dem daraus resultierenden schlechten Image gerade bei Geschäftskunden und vor allem Apple hinterher.

Pläne suggerieren Kontrolle. Alles im Griff, weil geplant. Sauber in Excel-Tabellen eingefüllt, mit schicken Kästchen ummauert. Das Dumme: Wir glauben zu kontrollieren, was eben nicht zu kontrollieren ist. Weil sich die Realität nicht an Planvorgaben hält. Marktbedingungen, der Wettbewerb, die Kunden, die Weltwirtschaft oder einfach der Schiedsrichter und eine rote Karte – all das müßte man wissen, voraussehen, bei der Entwicklung eines wasserdichten Plans. Kann man aber nicht. Pläne entstehen dann, wenn man am wenigsten weiß. Am Anfang. Wie sagte doch John Lennon: “ Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen”.

In solchen Situationen ist Improvisation, Kreativität, Flexibilität und Lernfähigkeit gefragt. Aber davon steht nichts im Plan. Pläne sind die Gegenthese zu Improvisation und Lernfähigkeit: “Wir ziehen unser Ding durch. Nur dafür haben wir einen Plan”. Das Ergebnis sind Politiker, die konsequent unbelehrbar meilenweit von der Lebenswirklichkeit und vor allem den Nöten der Regierten entfernt sind. Aber felsenfest am Plan festhaltend  Das Ergebnis sind Banker, die fassungslos die Reputation eines ganzen Berufsstands den Bach hinunter schwimmen sehen. Und sich doch weitestgehend wegducken und hoffen, das alles wieder so wird, wie es im Plan stand. Das Ergebnis sind Marken, die sich stoisch an den Plan von gestern halten und am sich ändernden Kunden, der Konkurrenz und den sich rapide verändernden Marktverhältnissen vorbei kraftvoll in die Katastrophe stürzen. Alles nach Plan.

Streiche Plan, setze Vermutung. Oder Annahme. Denn mehr ist es eigentlich nicht. Spielplan? Spielannahme! Finanzplan? Finanzvermutung! Business Plan? Business Vermutung! Damit werden Pläne nicht zum Improvisation und Lernfähigkeit abschnürenden Korsett. Vermutungen, Annahmen gelten nämlich gemeinhin nur bis zum Beweis des Gegenteils. “Unsere Vermutung war falsch. Also gehen wir jetzt in eine andere Richtung, weil das aktuell die beste Annahme ist!” Vorteil: Keine Erstarrung in langfristigen Plänen, sondern Entscheidungen dann, wenn sie wirklich treffbar sind. Tag für Tag, Woche für Woche, undogmatisch, pragmatisch und mit der in der Situation notwendigen Kreativität, Improvisation und Flexibilität. Martin Luther King hatte keinen Plan. Er hatte einen Traum…

Wohlgemerkt: Nichts gegen Pläne. Nichts gegen vernünftige Zukunftsszenarien, um sich auf mögliche Hindernisse vorzubereiten. Aber man kann sie nicht alle voraussehen. Und Pläne suggerieren genau das: Alles im Griff. Ohne den guten alten in Zement gegossenen Plan zu arbeiten mag Angst machen. Aber Plänen zu folgen, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben, ist viel beängstigender.  

6 Kommentare

hubertus von lobenstein

17.11.2011 14:25 Antworten

Hallo absieber, absolut nichts dagegen!

absieber

17.11.2011 12:21 Antworten

Hallo Hubertus. hast Du was dagegen, wenn ich Deinen Blog-Eintrag in einem meiner naechsten Artikel kritisch aufgreife?

absieber

26.10.2011 08:38 Antworten

Sehr richtig. Aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn neben Ueberregulierung begegnet mir viel öfter Planlosigkeit, statt Improvisationskunst Chaos-Management. Strategie heisst nicht nur Planung, sondern auch Räume lassen für das Unplanbare.

anton

26.10.2011 08:18 Antworten

Wie spontan wären wir, wennwir Spontaneität planen könnten?

hubertus von lobenstein

26.10.2011 07:41 Antworten

@Sascha: I like!

Sascha Stoltenow

26.10.2011 07:37 Antworten

Planen heißt, Zufall durch Irrtum zu ersetzen.

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