Von alten und neuen Prioritäten.

Von alten und neuen Prioritäten.

Vor ein paar Jahren war Myspace “on”, gefeiert als erste große Social Media- Erfolgsstory. Heute wird Myspace eher milde belächelt. Und morgen wird die Erfindung von Tom Anderson und Chris deWolfe vermutlich den Dinosauriern folgen ins Land der Dinge, Marken und Lebewesen, deren Geschichten beginnen mit den Worten “weißt du noch, damals….”. So ist die digitale Welt, in der wir leben.

Im selben Jahr, in dem Myspace entwickelt wurde, entwickelte ein College-Nerd namens Mark Zuckerberg seine eigene kleine Plattform namens Facebook. Ein paar Jahre später explodierte sie. Heute wird sie von über 1 Milliarde Menschen genutzt. Aus dem College-Nerd ist in den Feuilletons eine Datenkrake, in Finanzkreisen der Schuldige für ein Börseneinführungsdesaster geworden. Mittlerweile gehört es zum guten Ton, Facebook eine schwierige Zukunft vorauszusagen: Keine mobile Kompetenz, unzureichendes Geschäftsmodell etc. Im gleichen Atemzug werden da dann in fröhlich wechselnder Reihenfolge schon mal potentielle Thronprinzen genannt und gepriesen. So ist die digitale Welt, in der wir leben.

2006 tauchte Jack Dorsey mit seinem blauen Vogel und der Idee einer Micro-Blogging-Plattform auf. Und auch die explodierte. Gerade unter Jugendlichen hat Twitter glühende und täglich wachsende Fans. Ganze Revolutionen in Ländern wie Libyen, Marokko oder Ägypten wären angeblich ohne Twitter gar nicht vorstellbar und nicht erfolgreich gewesen. Eins aber steht unzweifelhaft auch fest: Bis heute hat Twitter kein Geld verdient. Fragt sich nur, wann der erste Investor mal ein bisschen etwas von seinem investierten Kapital zurückhaben will. Denn aus Web 1.0, dem Ausprobiernetz ist nach der geplatzten Blase das erwachsene, sich eher an wirtschaftlichen Realitäten ausrichtende Web 2.0 geworden. So ist die digitale Welt, in der wir leben.

Seit geraumer Zeit will Google in Sachen Social Media mitspielen. Erst mit Lively, dann mit Buzz und jetzt mit Google +. Und? Funktioniert der dritte Anlauf? Weiß man noch nicht (ich persönlich gehöre mittlerweile zu den Schläfern dort), aber Meinungen gibt es dazu etwa so viele, wie es Blogs gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen. Gerade jetzt, zum Jahresende wird die Prognosteritis wieder einsetzen: Der ist tot, der riecht schon komisch, der wird groß rauskommen usw. usw. Gerade dieses Jahr, wo doch jetzt auch noch alles mobil sein muss. So ist die digitale Welt, in der wir leben.

Ich schreibe diese Beispiele nur auf, weil daran eines deutlich wird: Wir können noch so viel reden, bloggen und Bücher schreiben über Social Media, die Wahrheit hat keiner gepachtet. “Alles fließt” in Reinkultur. Und am Ende wird es wie mit allem sein, was auf Technik basiert und in die Medienwelt gehört. Es gibt immer einen, der auch eine noch so erfolgreiche Idee noch besser macht oder das Prinzip einfach neu erfindet. Und nicht Erfolgreiches verschwindet sowieso. So ist die digitale Welt, in der wir leben.

Aber wissen Sie was? Es gibt Dinge, die sich nicht verändert haben in den letzten Jahren. Prioritäten, die schon galten, als die Markengemeinde das Wort “digital” nur aus der Uhrenindustrie kannte und noch nicht in 1.0 und 2.0 dachte. Prioritäten, wie z.B.:

  1. Value for Money – also echten, spürbaren, anfassbaren Mehrwert für die Käufer einer Marke schaffen.
  2. Relevante und differenzierende Kommunikationsideen jenseits von Klischees und Marktkonventionen finden.
  3. Transparenz der Marke und ihres Markenverhaltens gegenüber ihren Fans und denen, die es werden sollen, herstellen.
  4. Ehrlich gemeinte Empathie und den Eindruck vermitteln, die Marke hat sich um die Bedürfnisse ihrer Käufer wirklich Gedanken gemacht.
  5. Wirklichen Service abliefern, mit dem Marken einen hilfreichen Beitrag zum Leben ihrer Kunden leisten.
  6. Ernstgemeinte Beziehungen zum Kunden aufbauen.

Klingt altmodisch, ich weiß. Aber soviel Spaß es auch macht, in der digitalen Welt herumzuspekulieren, ob Google es nun endlich schafft, Mobile wirklich “the next big thing” ist, Twitter jemals Geld verdient oder Facebook unangreifbar ist – wir sollten dabei nicht vergessen, dass die intensive Beschäftigung mit technischen, und damit fast per Definition zeitlich begrenzten Plattformen und Medien nicht im Ansatz denselben Markenerfolg zur Folge haben wird, als das Beschäftigen mit den Dingen, die Marken wirklich groß und erfolgreich gemacht haben und auch in Zukunft erfolgreich machen werden. Unabhängig davon, auf welchen Plattformen sie diese Dinge dann abliefern. Denn so ist die wirkliche Welt, in der wir leben. Mit echten Menschen und echten Bedürfnissen. Mit echten Kunden, die ernst genommen, respektiert und geliebt werden wollen. Oder?


Bildquelle:

http://melklei77.tumblr.com/image/26449353721

1 Kommentar

André Brömmel

21.11.2012 09:05 Antworten

Bei der Betrachtung der 4 Ps oder 7 Ps des Marketingmix scheint das P für Price bei einigen vergessen worden zu sein. Hingegen muss man neidlos anerkennen, dass die Ps für People oder Process hingegen bravurös gelöst werden und wurden, ebenso das P für Promotion. Da sind alle genannten in ihrem Metier.Solange es kostenlos ist, beschwert sich natürlich niemand. Bleibt abzuwarten, was Kunden bereit sind zu zahlen, wenn die Dienste kostenpflichtig werden. Dann wird der value for money überhaupt erst sichtbar. Vorher schaut dem geschenkten Gaul auch keiner ins Maul.

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