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Todesglocken im Bloggerland

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Da sind sie wieder. Erst leise, dann tönt es laut von Blog zu Blog: Wieder ist einer gestorben. Oder ist doch prozentual schon so tot, daß man den Rest dann auch beerdigen kann. Google Lively? Google Buzz? Hochgejubelt, todgeschrieben. MySpace? Groß gestartet, auf der gebloggten Intensivstation gelandet. Kann jeden Tag soweit sein. Diesmal sind es die Blogger selbst, die totgesagt werden. Zumindestens die Marken-Blogs und mindestens mal prozentual. Der Grund: Eine Studie aus 2011 des Center for Marketing Research at the University of Massachusetts Dartmouth, die die Social Media-Nutzung der Inc 500 Companies untersuchte. Das sind die 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen in den USA. Und die, die Social Media-Plattformen besonders stark benutzen. Bis auf das Bloggen. Das haben nämlich 2011 nur noch 37% der Inc.500 getan. Und nicht mehr 50%, wie im Jahr davor. Und schon geht es wieder los: “Na, wenn das mal nicht das Ende von Blogs als Marketinginstrument einläutet”.

Mich machen diese Todesanzeigen a la “Das Ende der PR”-, “Das Ende von Blogs”-, oder auch “Das Ende der Werbung” müde. Vor allem, weil sie so häufig vorkommen. So propagiert z.B. die w&v von heute auf ihrer Titelseite den “Untergang der SMS” (…). Die Lust am spektakulären Abgesang kann ich ja verstehen. Bessere Headlines, mehr Leser usw. Aber warum immer gleich so apokalyptisch. Und so hysterisch. Wenn mein Lieblingsbleistift stumpf ist, schmeiße ich ihn nicht weg. Sondern spitze ihn an. Solange, bis nichts mehr übrig ist zum Spitzen. Und dann steige ich nicht auf Füller um, sondern kaufe mir einen? – genau: neuen Lieblingsbleistift. Wenn eines meiner TV-Programme flimmert, schalte ich nicht den Fernseher aus. Sondern um. Zugegeben: Es ist einfacher, ganze Disziplinen, Instrumente, Marken pauschal in die Tonne zu treten. Viel schwerer ist es, das Relevante im vermeintlich Irrelevanten zu entdecken. Viel schwerer ist es, ein einmal aufgebautes Fundament weiterzuentwickeln in einer Welt, in der die nächste Sau, die durchs Digital- und Marketingland getrieben wird, immer irgendwie fetter aussieht und einfacher fangbar scheint, als das eigene, mühsam weiterzuentwickelnde Instrumentarium.

Gefährlich sind solche Abgesänge insbesondere deshalb, weil sie suggerieren, daß man nur die richtige Plattform, die richtige Disziplin wählen muß und dann läuft das mit dem Absatz von allein. Und deshalb ist es natürlich dann wichtig, welche Plattform, welche Disziplin in ist. Und welche out. Aber genau darum geht es eben nicht. Bei allem hyperaktiven Wandel der Zugangskanäle, der Art, wie wir sie bespielen und Marken erfolgreich machen, sollten wir den nicht vergessen, für den wir das alles machen: den Konsumenten. Und der lässt, totgesagt oder nicht, Markenbotschaften nicht deshalb schon an sich ran, weil sie auf diesem oder jenem Kanal ausgespielt werden, oder weil die Botschaft diesmal von einer PR- statt von einer Werbeagentur kommt. Sondern weil sie relevant ist. Und Relevanz von Botschaften entsteht auch in der Zukunft abseits des Hypes um Kanäle und Disziplinen in den Herzen und Köpfen von Zielgruppen durch einige “ewige” und schon immer erfolgversprechende Mittel, wie z.B:

– Werthaltige Botschaften
– Entlang von Zielgruppenbedürfnissen durchdachte Botschaften
– Spannend erzählte und differenzierend verpackte Botschaften
– Transparenz im Markenverhalten
– Echten,spürbaren Service
– Emotionale Nähe

Relevanz zu erzielen ist unser Job. Nicht notwendigerweise in allen o.g. Punkten. Aber ganz sicher unabhängig von Disziplin und Kanal. Lässt Relevanz sich für Marke xy nicht per Blog leisten, dann gibt es eben eine andere passende Plattform. Lässt Relevanz sich mit den Mitteln der “klassischen Werbung” nicht leisten, dann eben mit einer anderen Disziplin. Keine dieser Entscheidungen ist kategorisch, sondern von Fall zu Fall am Konsumenten und der gewünschten Wirkung bei ihm ausgerichtet. Ihr Blog funktioniert als Content-Plattform prima, weil Sie einen Weg gefunden haben, wirklich erstklassigen und markendifferenzierenden Content zu produzieren? Dann lesen Sie keine Abgesänge auf Blogs, sondern gratulieren Sie sich und Ihrem Blog-Team. Bei allem Spaß am kernig formulierten Abgesang: Lassen Sie sich nicht vom Todesglöcklein verwirren. Morgen läuten andere Glocken. Ihr Konsument hört weder die einen, noch die anderen. Der hört nur Sie. Wenn ihre Botschaften stimmen!  

 

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