• images
  • 09:09
  • images
  • 1 Kommentar.

Schweigen ist Gold!

Image

Glaubt man einem Artikel in der “Welt kompakt” vom 5.1.2011, dann hat die Universität in Bournemouth in Zusammenarbeit mit 12 Universitäten quer durch Europa ein wirklich brutales Experiment gewagt: Hunderten von Studenten wurde das Handy, der Computer, der Fernseher und sämtliche anderen Verbindungen in die digitale Welt weggenommen. Es blieben ihnen lediglich der Festnetz-Anschluß und der Bücherschrank. Und die Bitte, zu berichten, wie es ihnen bei dem sinnreich “Unplugged” genannten Experiment so erging. Der brutalste Aspekt an dem Experiment war allerdings die Laufzeit: Sage und schreibe 24 Stunden mußten die Studenten diese digitale Auszeit erdulden.

Die Ergebnisse waren erschreckend. Viele der Teilnehmer beschrieben Symptome, die normalerweise mit einem Drogenentzug in Verbindung gebracht werden. Sie fühlten sich isoliert, beschrieben sich als ruhelos. Roman Gerodimos, Bournemouth University: „Wir sahen nicht nur psychologische Symptome, sondern auch körperliche. Für viele war die Stille am schlimmsten“  Noch einmal: Wir reden hier von 24 Stunden!!

Haben Sie sich wiedererkannt? Könnten Sie sich 24 Stunden digital abmelden? Wenn ja, dann Respekt! Wenn nein, dann willkommen im Club. Mein Leben findet z.B. In einem generellen AN-Zustand statt: Privates und Berufliches vermischt sich. Meine Social Media Begeisterung sorgt für mediale Dauerbefeuerung meiner Neuronen. Jede Minute des Tages kann und wird deswegen auch mit “Sinnvollem”, mit “Produktivem” gefüllt. Blogs schreiben, Blogs lesen, Themen für Kunden recherchieren, an Facebook, Twitter und anderen Communities teilnehmen? Na klar, ständig und gern. Abschalten, digitale Stille aushalten? Nein. Wieso auch. Stille produziert keinen Content, Stille produziert keine Ergebnisse. Stille produziert….irgendwie…nichts! Oder?

Was erlebten die Studenten? Was änderte sich? Auf einmal gerieten die Menschen in der unmittelbaren Nähe wieder in den Mittelpunkt, Nachbarn wurden wahrgenommen, fast vergessene Dinge ( z.B. Vogelzwitschern vor dem Fenster) wurden wieder intensiv erlebt. Nur: Die Teilnehmer fühlten sich eher verstört durch das Eindringen der analogen Welt in ihr Leben. Erst , nachdem sie ihre digitalen Drogen wieder anschalteten, berichteten sie von einer Besserung ihrer Zustände. Analoges Leben als Anlaß zur Verstörung? Digitale Vernetzung als Nervenmedizin? Empfinden das nur noch die nicht mit Netz groß gewordenen wie ich als befremdlich?

Während der Weihnachtsfeiertage habe ich abgeschaltet. Kein Web, kein Blog, kein Facebook. Dafür ganz viel Familie, ganz viel Lesen (keine Fachbücher!), ganz viel mit den Hunden spazieren gehen. Kurz: Ganz viel digitales AUS-sein , ganz viel analoges AN-sein. Und das war gut so. Mit jedem Tag digitaler Stille merkte ich, wie sehr ich (und meine Familie) meine Rückkehr ins echte Leben nötig hatten. Und dann kamen Ideen. Gute Ideen für dieses Jahr. Ideen, nach denen ich gar nicht gesucht hatte. Sie kamen in den “langweiligsten” Momenten des absoluten Nichts-Tuns. Sie kamen, weil ich für sie abgeschaltet hatte!

Ich glaube nicht so wirklich an die Nummer mit den guten Vorsätzen für ein neues Jahr (obwohl ich Michelle Millers Blogbeitrag über ihre WEALTH Formel in dem Zusammenhang sehr empfehlen kann: http://bit.ly/haNxx0).) Aber wenn es etwas gibt, wozu ich in den nächsten Monaten wild entschlossen bin, dann ist es das Schaffen und Genießen von mehr digitaler Stille. Nicht, daß wir uns mißverstehen: Ich liebe meine digitale Welt, seine Chancen, seine Inspirationen. Aber ich werde diese Chancen und Inspirationen nur dann bestmöglich für mich und meine Kunden nutzen können, wenn ich mir die Auszeiten gönne, all die neuen Eindrücke auch zu verarbeiten. Wirkliche emotionale Beziehungen und wirklich gute Ideen entstehen für mich vor allem im digitalen AUS und weniger im AN.

(Dieser Beitrag stand am 12.1.2010 bereits in Englisch hier: http://lobenstein.posterous.com/silence-is-golden)

1 Kommentar

Alexander

20.01.2011 18:44 Antworten

Wunderbar geschrieben! Tolle Wendung zum Schluß! Aber sag mir bitte, ob das Telefon (gerne das mit Schnur) unbedingt auch zu den digitalen Medien gehören MUSS. Denn wenn nicht, geh doch bitte mal ran, ich hätte da eine Frage und mag deswegen wirklich nicht bis Düsseldorf fahren. Ginge das? ;) )

Hinterlasse einen Kommentar