• images
  • 07:08
  • images
  • Keine Kommentare.

Kurze Pause

Image

Fühlen Sie sich wichtig? Wenigstens manchmal? Also ich gebe dem Gefühl vermeintlicher persönlicher Wichtigkeit schon ab und zu nach. Meinen Blog zu schreiben löst dieses Gefühl zum Beispiel aus. Schließlich schreibe ich ja über aus meiner Sicht relevante Themen. Denke ich wenigstens. Meine Meinung zur Mediamarkt-Kampagne, Marktforschung im Allgemeinen, Identifikation mit Marken durch ihre Chefs usw. wird schließlich laut Google-Analytics von regelmäßig bis zu 4500 Menschen gelesen, gelegentlich in der Fachpresse aufgenommen, ab und zu von Branchenkollegen diskutiert. Zugegeben: Eine Leserschaft, wie Seth Godin sie hat, werde ich nie erreichen. Aber für ein gelegentliches kleines Gefühl von Bedeutung sollte das doch allemal reichen, oder?

Auch Google bestätigt mich. Ich komme schließlich häufig genug vor, wenn man mich googelt. Und wer da vorkommt, hat die amtlich-digitale Bestätigung eigener Bedeutung. Oder ich lasse meine Eitelkeit durch meinen Klout-Score streicheln. Der nimmt alle Reaktionen auf meine Facebook-, Google+ und Twitter-Posts auf und errechnet daraus meinen Einfluß-Faktor auf meine auf diesen Plattformen angesammelte Community. Der steigt regelmäßig an. Zugegeben: Amir Kassaei liegt vor mir. Bei Google mit weitem Abstand. Beim Klout-Score aber nur knapp. Ein bißchen Wichtigkeitsgefühl muß da doch wohl erlaubt sein, oder?

Kennen Sie das, wenn Ihre Welt für einen Moment stillsteht? Fast so, als ob sie einmal tief Luft holen will? Meine Welt stand am Wochenende gleich zweimal still, angehalten von zwei Menschen, die mir nahestehen. Menschen, die in meinem ganz realen Leben vorkommen, die ich schätze, die mir wichtig sind. Menschen, in meinem Alter, beruflich erfolgreich, wichtig in ihren Umfeldern. Beide saßen mir, der eine Freitag, der andere Samstag ganz gemütlich gegenüber. Und erzählten mir von ihrer Krankheit und wie sie damit umgehen. Beide haben Multiple Sklerose…

Persönliche Wichtigkeit? Da lachen beide drüber. Wichtig ist für die, viel und intensiv Zeit mit denen zu verbringen, die ihnen wichtig sind. Wichtig ist für die, die Kontrolle über ihr Leben zu behalten, wo es geht. Und sie mit Würde da abzugeben, wo es nicht mehr geht. Wichtig ist für die, ohne Bitterkeit Abschied zu nehmen von Fähigkeiten, die sie mal besessen haben. Und die kleinen Siege über die Krankheit gebührend zu feiern. Wichtig ist für die Normalität. Im Umgang mit sich selbst und im Umgang anderer mit ihnen. Wichtig ist für die zu leben. Und das Leben mit einem Lächeln zu nehmen.

Mein “wichtig” wurde plötzlich sehr unwichtig, banal, ein bißchen peinlich. Stattdessen habe ich mal wieder darüber nachgedacht, was jenseits der Befriedigung von job-bedingten Eitelkeiten, jenseits von Kampagnen, Klout-Score und Bloglesern wirklich wichtig ist. Was dabei herausgekommen ist? Das bleibt privat. Aber eins ist mir heute mit diesem Blog tatsächlich wichtig: Danke zu sagen. Dank an zwei Menschen, die meine Welt für einen Moment angehalten haben. Das tat gut. Das tut gut. In diesem Sinne: Do more of what makes you happy!

 

 

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar