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Kleiner gebloggter Wutanfall aus gegebenem Anlaß


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Jedes Mal, wenn Du Dschungelcamp schaust, und es nicht zugibst, gestaltest Du Deine Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du einen Push Up benutzt, gestaltest Du Deine Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du aus 18 Löchern Golf vor Deiner Frau einen Geschäftstermin machst, gestaltest Du Deine Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du Coke “light” bestellst, nur weil andere dabei sind, gestaltest Du Deine Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du Dein Kind vor seinem Lehrer in schillerndsten Farben lobst, gestaltest Du die Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du im Jobinterview ein paar Dinge lieber nicht erwähnst, gestaltest Du Deine Wahrheit.

Jedes Mal, wenn Du vor dem Besuch Deines Chefs zum Abendessen die Bude auf Hochglanz trimmst, gestaltest Du Deine Wahrheit.  

Und warum gestaltest Du Deine Wahrheit? WEIL DU ETWAS WILLST!

Du willst den Job.
Du willst den Typ.
Du willst Liebe.
Du willst Respekt.
Du willst Freunde.
Du willst mehr Geld
Du willst Dich im besten Licht darstellen, Deine negativen Seiten verstecken. Du willst, das andere in bestimmter Weise über Dich denken. Du willst, das andere etwas tun, was sie ohne Deine Wahrheitsgestaltung nicht tun würden.

Weißt Du, wie man das nennt? MARKETING! Und Du tust es jeden Tag.

Ja, wir alle, die wir im Markengeschäft unser Geld verdienen, gestalten die Wahrheit jeden Tag ein bißchen. Genau wie Du. Ja, wir alle wollen, daß unsere Audiences etwas tun, was sie ohne unsere kleinen kommunikativen Hilfestellungen nicht tun würden. Genau wie du.  Aber wir tun dies für Audiences, die genau wissen, was wir da versuchen, die es uns so schwer wie möglich machen und die uns lächelnd die Grenzen der Wahrheitsgestaltung jeden Tag aufzeigen. Durchschaut haben sie unsere alten Tricks längst. Nur noch, wenn wir sie besonders gut vorführen, verzeihen Sie uns großzügig. Und freuen sich, wenn wir vereinzelt sogar mal neue Tricks parat haben. Wenn wir sie erreichen wollen, müssen wir gut sein. Richtig gut. Jeden Tag. Genau wie Dir gelingt uns das mal mehr, mal weniger gut.

Deshalb bin ich oft so wütend, wenn ich Deine Kommentare, lieber selbstgerechte und selbsternannte Kritiker des Marketings und der Werbung, lese. Du kritisiert an uns, was Du täglich praktiziert. Deine Audience ist meist kleiner (genau wie das Budget). Aber sonst? Es ist lächerlich, Kampagnen vom hohen Ross herunter pauschal zu kritisieren und dann auf den eigenen, Werbelink-verseuchten Blog hinzuweisen. Es ist noch lächerlicher, dem Marketing starbucksschlürfend und auf deinen Apple eintippend den Vorwurf zu machen, den Menschen unnötigen “Lifestyle” zu verkaufen. Marketing ist nicht per se schlecht, das Gestalten von Marken ein seriöses Handwerk und die, die es betreiben sind nicht dämonisch-geheime Verführer, sondern meist zumindestens ehrliche und gelegentlich richtig gute Handwerker. Bevor Du also das nächste Mal deinen Moralhügel besteigst, denke daran:
Du sitzt im Glashaus, also überlege genau, mit was du werfen willst!

Aber am lächerlichsten bist Du, lieber Markenverantwortlicher auf Kunden- und Agenturseite, der Du selbst jeden Tag an der Wahrheitsgestaltung von Marken teilnimmst und dann abends in Blogs, auf Facebook und Twitter so tust, als würdest Du von unheimlichen und dunklen Mächten zu Deinem verwerflichen Handeln gezwungen werden. Statt zynisch und auch noch feige aus dem Hinterhalt die Hand zu beißen, die dich füttert, solltest Du lieber nach besseren Möglichkeiten suchen, die Dir anvertraute Marke mit Audiences zusammenzubringen, die das nur dann akzeptieren, wenn Du es richtig gut macht. Oder bist Du vielleicht nicht gut genug dazu? Dann steig ab von Deinem hohen Roß und hör auf, einen Job zu machen, den du offensichtlich eh nicht machen willst.

Tu mir nur einen Gefallen: Werde nicht stattdessen Kritiker!!

7 Kommentare

hubertus von lobenstein

04.02.2011 08:10 Antworten

@Martin: hubertus@vonlobenstein.com! Freue mich darauf….

Martin

04.02.2011 04:36 Antworten

Ja. Vielleicht per E-Mail oder Skype…

hubertus von lobenstein

03.02.2011 19:41 Antworten

@Martin: Interessante These. Beispiele dafür?

Martin Pallmann

03.02.2011 19:20 Antworten

Mein Problem mit Marketing ist nicht, daß sie uns due Welt schön malen. Mein Problem (als Entwickler) ist, daß sie oft nicht wissen, was sie da tun.

hubertus von lobenstein

03.02.2011 12:07 Antworten

@Tobias: Stimmt, Lügen ist nicht Marketing. Schon allein deshalb nicht, weil "das Marketing" nichts so sehr fürchtet, wie beim Lügen ertappt zu werden. Denn erstens sind Konsumenten heute meist schlau genug, die Lüge zu enttarnen und haben zweitens gerade über die sozialen Netze viel mehr Möglichkeiten, die Enttarnung auch noch zu verbreiten (bestes Beispiel RWE). Wenn ich eine Marke in ihrem besten Licht erscheinen lassen will, dann wähle ich allerdings die Wirklichkeiten aus, die dafür geeignet sind. Ich rede z.B. bei einem Auto über die Dinge, die es dem Fahrer zu einem besseren Fahrerlebnis werden lassen und nicht über die Dinge, die wegen eines bestimmten Preisniveaus nicht mehr einbaubar waren. Wo das Weglassen von Teilwirklichkeiten zur böswilligen Lüge wird, das ist eine eigene Diskussion wert….

Tobias Zachl

03.02.2011 11:45 Antworten

Auf die Wahrheit haben wir zum Glück keinen Einfluss, nur auf Wirklichkeiten.Und das Vorlügen von Wirklichkeiten nennt man nicht Marketing. Wenn man das als Marketing versteht ist jede Kritik berechtigt.

Harald Müller

03.02.2011 10:06 Antworten

Dass Verlogenheit nicht selten und auch menschlich ist, ist keine gute Legitimation eines Seins; und gewiss nicht eines Geschäftsmodells.

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