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Helmut Schmidts Irrtum

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Bei Apple heißt sie “Think different”. Und Apple-Chef Steve Jobs sagt dazu:  “Think different is what we are about. It touches the soul of this company” . Bei Adidas heißt sie “Impossible is nothing”. Und Adidas-Vorstand Erich Stamminger sagt dazu: “It is our legacy, our mission and our challenge”. Bei Pedigree heißt sie “We love dogs”. Und der Mars-CEO Paul Michaels sagt dazu: “We express our love for dogs in everything we do. Not just in our products, but in our activities, beliefs and causes we support”. Bei Nissan heißt sie “Shift”. Und Nissan-CEO Carlos Ghosn sagt dazu: “Shift is who we are and how we work”.Die Rede ist von den Visionen eines Unternehmens/einer Marke.

Helmut Schmidt hat über Visionen in der Politik mal folgendes gesagt: “Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!” Und doch ist gerade Guido Westerwelle als Parteivorsitzender zurückgetreten, weil ihm die einen überhaupt keine liberale Vision mehr bescheinigen und die anderen ihm maximal zubilligen, die falschen Visionen zu haben. Von Victor Hugo stammt folgendes Zitat: “Nichts ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist”. Genau das hat Angela Merkel am letzten Wochenende erfahren müssen. Die Zeit für die Idee einer atomstromfreien Gesellschaft war in Fukushima auf tragische Weise gekommen. Es war nie die Idee von Angela Merkel. Daran änderten auch Last Minute – Politvolten nichts mehr. Über 100.00 bisherige Nichtwähler gingen für die Idee zur Wahlurne. Und machten ihr Kreuz da, wo sie davon ausgingen, daß mit dieser Idee am sorgsamsten umgegangen wird. Bei denen, die diese Idee, bzw. Vision schon seit Jahrzehnten vertreten.

In der Politik wie im Markengeschäft wird, gerade wenn die Zeiten schwieriger und unübersichtlicher werden, die Vision gern dem Tagesgeschäft und seinen taktischen Erfordernissen zum Fraß vorgeworfen. Da geht es dann im täglichen Kampf um die Erreichung der Quartalsziele/Wahlziele und die Entscheidungen dazu sind meist aus dem Lehrbuch des Pragmatismus. Nur: Nach einer Weile wissen viele nicht mehr, warum sie eigentlich für die Marke/die Partei kämpfen sollen und warum sich der Kampf lohnt. Was ist das große Ziel, was man erreichen will? Wofür soll die Marke bei Wahlvolk und Marken-Audience stehen? Am Ende wirken Marken/Parteien zwar dann aus lauter Verzweiflung hyperaktiv, aber reichlich ziellos.

Deswegen sind Marken-Visionen für mich immer noch der wichtigste Schmierstoff jeder Organisation und jeder Marke. Klar, relevant und gut formuliert sorgen sie dafür, das man gerade im täglichen Auf und Ab des Tagesgeschäfts bei allen pragmatischen Versuchungen nicht den Überblick verliert. Im besten Falle sind sie, vom Markenchef persönlich verkündet und geglaubt, Gradmesser für das eigene Handeln jedes Mitarbeiters und geben der gesamten Organisation/Marke eine klare Richtung und ein für alle attraktives Ziel vor. Vor allem aber sorgen sie für ein stets klares und wiedererkennbares Profil einer Marke/einer Organisation. Ein Profil, mit dem man sich identifiziert. Oder eben nicht. So wie bei den eingangs erwähnten 4 Beispiele, die allesamt schon seit Jahren Gültigkeit haben.

Aus meiner Erfahrung ist in harten Zeiten die Vision meist das erste Opfer in der Markenarbeit. Genauso häufig habe ich allerdings erlebt, wie der Ausweg aus den harten Zeiten nur über die Wiederbelebung, bzw. Neuentwicklung einer Markenvision funktionierte. Das ist dann meist harte Arbeit, wie wir bei vonlobenstein ltd aus unserer täglichen Arbeit wissen. Unsere Vision lautet: “Wir machen Marken mehr wert”. Und der beste Rat, den Wert einer Marke zu erhalten, lautet deshalb: Halten Sie Ihre Vision am Leben. Helmut Schmidt hatte nämlich nicht immer recht…..


 

 

5 Kommentare

hubertus von lobenstein

05.04.2011 10:27 Antworten

@Alex: Danke!@Thomas: Ich arbeite daran. Täglich….;-)@Ralf und Hen: Dem ist nichts hinzuzufügen…

ralf schwartz

05.04.2011 09:56 Antworten

Deutschland hat keine Träume. Da ist es schwierig eine Vision zu haben.Visionen passen nicht in die Goldenen Käfigzellen von Excel.Visionen stellen das Establishment und den Status Quo infrage. Dafür gibt es keinen Bonus. Boni gibt es für Trippelschritte in einem Zug, der in die falsche Richtung fährt!

Hen Hermanns

05.04.2011 09:22 Antworten

Ach, Visionen…viele, denen ich begegnet bin, konnten mir nicht einmal auf meine simple Kinderfrage "Was ist denn nun eigentlich Ihre Geschäftsidee?" eine vernünftige Antwort geben.

Thomas Koch

05.04.2011 09:02 Antworten

Ein einziges Mal in meinem Werber-Leben traf ich auf einen CEO. der seine Vorstellung mit den Worten eröffnete: "Ich habe folgende Vision…" Einmal ist definitiv zu wenig. Lass uns das ändern!

Alexander

05.04.2011 07:14 Antworten

grossartig! Klasse Intro!

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