Gruß an die jetzt etwas dunklere Seite der Macht.

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(Quelle: http://www.online-affairs.com/tag/socialmediamarketing/)

Okay, okay, Facebook: You suck. Bist ja noch nicht mal mehr 100 Mrd. wert, Aktienkurs fallend. Börsengang gescheitert. Haben wir ja schon immer gewußt. Mit dem Businessmodell kann das ja auch nicht funktionieren. Endlich siegt die Vernunft. GM hat recht, wenn sie ihr Werbebudget bei dir abziehen, die Werbewirkung wird total überschätzt. So und so ähnlich wurde in den letzen Tagen in den Kommentaren der Fall vom Social Media-Liebling zum gescheiterten Blender begleitet. Wahlweise staunend, erschüttert, beleidigt oder triumphierend überschlug sich die Webgemeinde in Blogbeiträgen und die klassischen Medien legten kräftig nach. Ein Hauch von Endzeitstimmung legte sich über die schöne neue Social Media-Welt und ihre Verkünder in der Markenwelt.

Die ganze Markenwelt? Nicht ganz. Nicht mal annähernd. Millionen von kleinen und großen Unternehmen machen einfach so weiter wie bisher. Seit Jahren profitable Unternehmen. Profitabel ohne Facebook, Twitter und eloquente Blogs, unbeirrt von all dem Presselärm. Frechheit eigentlich. Haben die doch offensichtlich beschlossen, daß das Abliefern von großartigem Service und das Etablieren persönlicher Kundenbeziehungen sie auch abseits der Social Media-Welt erfolgreich macht. Manchmal erfolgreicher als die Firmen, die seit Jahren laut tönen, daß Erfolg in Zukunft ja eigentlich nur noch machbar ist, wenn man sich den neuen Digitalgottheiten unterwirft. Statt tönen lieber machen scheint erfolgreich zu machen.

Erfolgreich wie meine Eisdiele vor dem Haus. Keine Website, keine Facebook-Präsenz, sondern einfach sauleckeres Eis. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit Schlangen von Menschen, die heiß sind auf die neuesten, ständig wechselnden Geschmacksrichtungen. Erfolgreich wie mein Taxifahrer heute morgen. 5 Taxis, alle durch Stammgäste komplett ausgebucht und das alles nur durch Mund zu Mund-Propaganda. Demnächst kommen Taxi 6 und 7. Facebook? Website? App? Wozu? Erfolgreich wie der Schädlingsbekämpfer, den ich kürzlich kennenlernte. Eigentlich wollte er sich neben seiner Position als oberster Schädlingsbekämpfer bei einem großen Berliner Unternehmen nur ein zweites, kleines und feines unternehmerisches Standbein aufbauen. Heute betreut er soviel Häuser, daß er mehrere Beschäftigte hat. Weil er einfach gut ist und seinen Job liebt. It shows. Und spricht sich rum. Facebook? Twitter? Blog? Auch hier Fehlanzeige. Wären sie  noch erfolgreicher durch Social Media? Das interessiert die nicht. Alle drei verzichten bewußt.

Ich bin immer wieder fasziniert von der Flut an Unternehmen, die wie der Zug der Lemminge über Facebook kommen in der Heilserwartung des kommerziellen Durchbruchs per Social Media. Genauso fasziniert wie über den ständig wachsenden Zeitanteil, den wir im Land Social Media verbringen und damit die digitale “echo chamber” jeden Tag vergrößern und lauter machen. Wir laufen durch die Straßen und schauen dabei vor uns auf kleine Bildschirme, tippen hektisch auf sie ein und ignorieren die Welt um uns herum. Macht auch nichts, denn die tut gerade dasselbe. Multi-Tasking wird zur Primärtugend, alles ist gut, solange der Bildschirm uns signalisiert, daß wir drin sind. Wir waren nie verbundener mit unserer Community, als heute. Glauben wir. Und fangen doch langsam an, zwischen Retweet und Blogbeitrag ein bißchen nachdenklich zu werden.

Ich mag dich, Facebook. Ich poste gern, kommuniziere auf dir mit Menschen, die mir aus unterschiedlichen Gründen wichtig sind. Ich führe Gespräche. Jetzt wolltest du mit meinen und ca. 900 Millionen Gesprächen anderer das ganz große Geld verdienen. Hast du tatsächlich soviel Geld dafür verdient? Und bist du mir dann noch so sympathisch? Vielleicht lassen sich Gespräche ja auch woanders führen….
Marken mögen dich, Facebook. Oft wissen sie nicht, warum. Ihr Erfolg auf dir ist oft überschaubar, es wird viel getestet, ausprobiert, verworfen. Jetzt wolltest du mit den Versuchen von Marken, ihre Zielgruppen bei dir zu erreichen, das ganz große Geld verdienen. Klappt das mit dem Erfolg dafür in Zukunft besser? Mögen Menschen Marken in ihrem Stream deswegen mehr? Oder einfach mal ohne ausprobieren? Das klappt scheinbar auch…

Du wolltest an die Börse, Facebook. Das ist, gemessen an den Erwartungen, reichlich danebengegangen. Das ist kein digitaler Beinbruch und schon gar nicht der Anfang vom Ende der Erfolgsgeschichte sozialer Medien. Dazu ist die Idee dahinter zu richtig. Du allerdings bist jetzt Teil des großen Monopoly. Passt du da rein? Passt deine Markenidee an die Börse? Kann ein Jedi-Ritter zum guten Darth Vader werden? Wir werden sehen. Mich jedenfalls hast du dazu gebracht, mal von meiner Facebook-App hochzuschauen und nachzudenken. Über dich. Über Social-Media.  Und was eventuell nach dir kommt…..

1 Kommentar

Oliver Gronewald

25.05.2012 08:36 Antworten

das teile ich genau so.und bzgl. FB ipo: was, für mich, einen wirklich üblen beigeschmack hinterlässt ist die art und weise des börsengangs, diese unsagbare geldgier der Fb macher.mag emotional irgendwie nicht mit "social" zusammenpassen, business hin oder her.und hier noch ein kleiner, genereller site link zum thema "dialog":http://blogs.hbr.org/cs/2012/05/three_myths_about_customer_eng.htmlwünsche ein schönes pfingstwochenendebeste grüßeo.

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