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Ein guter Ratschlag

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Inspirationen kommen manchmal unerwartet. Als Andrew Simms, Direktor Strategie und Leiter des Klimawandel-Programms bei der New Economics Foundation seinen Vortrag bei der Utopia-Konferenz beendete, hatte sich eigentlich eher das Gefühl der Unzulänglichkeit des eigenen Handelns breitgemacht und der Dringlichkeit, daran etwas zu ändern. Obwohl der Vortrag mit lustigen Anekdoten gespickt war, hatte Simms eine klare Botschaft vermittelt: Hört auf zu reden. Fangt an zu handeln! Sonst können wir eine globale Klimakatastrophe nicht vermeiden.

Aber dann, zum Schluss, kurz bevor er die Bühne verließ, zitierte er Edward Abbey. Noch nie von Edward Abbey gehört? Ich bis dahin auch nicht. Aber dieses Zitat hat mich mehr berührt, als sonst  etwas während dieser 2 Tage der Konferenz. Während der darauffolgenden Pause wurde nur noch über die Botschaft dieses Zitates gesprochen. Also, bevor ich euch das Zitat vorstelle, hier eine kurze Einführung zur Person Edward Abbey:

Edward Paul Abbey (* 29. Januar  1927  in Indiana, Pennsylvania ; † 14. März 1989  in Tucson, Arizona,  war ein US-amerikanischer Naturforscher, Philosoph und Schriftsteller, der sein Werk dem Südwesten der Vereinigten Staaten widmete. Seine bekanntesten Werke sind „Desert Solitaire  “ und der Roman „The Monkey Wrench Gang “, der radikale Umweltaktivisten inspirierte, u.a. zur Gründung von Earth First! Der Schriftsteller Larry McMurtry bezeichnete ihn als den „Thoureau des amerikanischen Westens“. (http://en.wikipedia.org/wiki/Edward_Abbey )

Der beste Teil der Edward-Abbey-Wiki kommt ganz zum Schluss, als seine Wünsche bezgl. seines eigenen Begräbnis beschrieben werden. Abbey starb nach einer schweren Operation. „Er wollte, dass seine Leiche in einem Pick-up transportiert werden sollte.  Er wollte, dass man ihn möglichst bald begraben sollte. Er wollte keine Bestatter haben. Um Gottes willen, kein Einbalsamieren! Keinen Sarg. Einfach einen alten Schlafsack.  „Ich will, dass meine Leiche bei dem Wuchs und Düngen eines Kaktus, einer Klippen-Rose, eines Salbeistrauchs oder eines Baumes hilft.“
Und was die Bestattung anging: Er hätte gerne Gewehrfeuer und etwas Musik. „Ich wünsche mir keine formellen Reden – jedoch wird der Verstorbene es nicht verhindern, wenn jemanden den Drang dazu hat. Macht es aber einfach und knapp.“ Und danach, ein großer, freudiger  Leichenschmaus. Er wollte Musik haben, lustige und lebhafte Musik. Er wollte Dudelsäcke. „Und eine Flut von Bier und Sauferei! Viel Tanzen, Singen, Reden. Brüllen, Lachen. Und Fleisch! Bohnen und Chili! Und Maiskolben.“

Ein Artikel im „Outside“ von 2003 beschrieb, wie seine Freunde ihn dann tatsächlich geehrt haben: „Das letzte Mal, das Ed lächelte, war als ich ihm erzählte, wo er begraben werden würde.“ sagte Doug Peacock, Umwelt-Aktivist und vertrauter Freund Edwards. Am 14. März 1989, an dem Tag, als Abbey, 62 Jahre alt, an ösophageale Blutung starb, hüllten Peacock, sein Freund Jack Loeffler, sein Schwiegervater Tom Cartwright, und sein Schwager Steve Prescott Abbeys Leiche in seinen blauen Schlafsack, packten ihn in Trockeneis und legten „Kaktus Ed“ (so sein Spitzname) in Loefflers Chevrolet Pick-up.
Nachdem sie in einem Spirituosenladen in Tuscon fünf Bierkästen und Whiskey gekauft hatten – um es auf sein Grab zu gießen – fuhren sie in die Wüste. Die Männer suchten den ganzen Tag nach dem passenden Ort und schließlich bogen sie eine lange Holperpiste entlang, fuhren bis zum Ende des Weges und fingen an zu graben. In dieser Nacht begruben sie Ed und stießen auf das Leben dieses wahrscheinlich lautesten, streitbarsten Umweltschützers Amerikas an.

Abbeys Leiche wurde in der Cabeza Prieta Wüste, Arizona, begraben, „wo du sie nie finden wirst.“ Die Freunde schrieben Folgendes als Kennzeichnung auf einen Stein in der Nähe:

EDWARD PAUL ABBEY
1927-1989
Kein Kommentar.

Lest mehr über ihn, über sein Leben. Lest, was er geschrieben, gesagt, gedacht hat. Es lohnt sich. Er war ein Mann, der die Natur liebte, der um und für sie  mit aller Kraft gekämpft hat. Ein Mann, der aus Überzeugung handelte, ein Mann voll Emotionen – und ein Mann, der bei aller Wut das Leben in vollen Zügen genießen wollte und konnte. Dies bringt uns auf das Zitat, das ich nicht mehr vergessen kann:

„Einen letzen Rat: Brennen Sie sich nicht aus. Seien Sie genauso wie ich – ein widerwilliger Enthusiast. . . ein nebenberuflicher  Kreuzzügler, halbherziger Fanatiker. Verbringen Sie die andere Hälfte Ihres Leben mit Vergnügen und Abenteuer. Es reicht nicht aus, für die Umwelt zu kämpfen – noch wichtiger ist, sie zu genießen. Während Sie es noch können. Während sie noch hier ist. Also gehen Sie los, jagen Sie, fischen Sie, blödeln Sie mit Ihrem Freunden herum, wandern Sie in die Ferne und erforschen Sie die Wälder, besteigen Sie Berge und erobern Sie die Gipfel, laufen Sie die Flüsse entlang, atmen Sie die noch süße und klare Luft tief ein. Setzen Sie sich ruhig einen Moment hin, um diese wertvolle Stille zu genießen – diesen wundervollen, geheimnisvollen und atemberaubenden Ort. Vergnügen Sie sich, bewahren Sie sich ihren gesunden Menschenverstand, hören Sie auf Ihr Herz und bleiben Sie in Bewegung, bleiben Sie lebendig. Dann verspreche ich Ihnen Folgendes; ich verspreche Ihnen diesen süßen Sieg über unseren Feind, diese am Schreibtisch gefesselten Männer und Frauen, ihre Herzen im Stahlfach und Augen, die von Taschenrechnern hypnotisiert wurden. Ich verspreche Ihnen: Sie werden die Mistkerle überleben.“

Lesen Sie diese Zeilen noch mal. Wort für Wort. Und dann schlage ich Ihnen vor, dass Sie seinem Rat folgen. Ich, mindestens, werde das tun. Weil ich selten einen besseren Rat bekommen habe. Und weil ich die Mistkerle tatsächlich gern überleben würde. . . .

(Dieser Beitrag wurde zuerst in englischer Sprache hier veröffentlicht: http://lobenstein.posterous.com/good-advice)

1 Kommentar

Alexander

16.11.2010 16:44 Antworten

Wunderbares Pathos. Und ja – schön, wenn die Pyramide zum Schlafsack und die Sphinx ‘nen oller Schakal wird. Salut Hubertus!

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