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Die letzten Tage des Internets

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Zugegeben: Die Headline ist ein bißchen sehr apokalyptisch. Und das, obwohl ich selbst hier schon gegen diese ewigen “XY ist tot”- Headlines gewettert habe. Aber sind Sie kürzlich mal im Internet gewesen? Ja? Ist Ihnen nicht auch aufgefallen, dass es da in letzter Zeit ziemlich einsam geworden ist? Und das sich die digitale Welt für immer mehr Menschen überwiegend mobil öffnet und erschließt? Hier mal ein paar Fakten dazu:

  • Laut International Telecommunication Union verbringen die Menschen im Schnitt inzwischen mehr Zeit mit und in mobilen Apps als im Internet ( http://www.itu.int/ITU-D/ict/statistics/ ).
  • Zwischen 2007 und Ende 2012 werden laut Schätzung ( http://blog.flurry.com/bid/80241/Mobile-App-Usage-Further-Dominates-Web-Spurred-by-Facebook ) insgesamt rund 1 Mrd. iOS- und Android-Endgeräte aktiviert sein. Damit wachsen mobile Endgeräte doppelt so schnell wie PC´s im Vergleichszeitraum 1996-2001.
  • Bis heute sind grob geschätzt 40 Mrd. Apps vom AppStore und Android auf Handys und Tablets heruntergeladen worden.
  • Die größte Aquisition von Facebook kurz vor dem eigenen Börsengang war die App-basierte Instagram. Kaufpreis: 1 Mrd. Dollar für eine 12-Mann-Firma ohne bisherigen finanziellen Erfolgsnachweis.
  • Google hat den Preis in seinem Butter- und Brot-Anzeigengeschäft Cost-per-Clicks-Ads um 12% gesenkt.

Die digitale Welt macht mobil, wird mobil, ist mobil. Das Web steht fast schon ein bisschen altbacken daneben und rettet, was zu retten ist. Die neue Welle der Social Media Erfolgsbeispiele denkt, Beispiel Instagram, schon gar nicht mehr über einen Webauftritt nach und geht gleich ganz auf mobile Nutzung als App. Also nicht Web 3.0, sondern Mobile World 1.0? Google, Amazon, Facebook, Yahoo bald obsolet? Nicht ganz so schnell. Alle 4 wachsen. Alle 4 haben große Audiences. Alle 4 haben die Chance und das Geld, auch in der mobilen Welt eine Hauptrolle zu spielen. Allerdings unter 2 Voraussetzungen:

  • Schnelligkeit. In einem Telefonat vor ein paar Tagen mit Investoren verdeutlichte Tim Cook, der neue Apple-Chef, die Veränderungsgeschwindigkeit des Marktes wie folgt “Through the last quarter, I should say, which is just 2 years after we shipped the initial iPad, we’ve sold 67 million. And to put that in some context, it took us 24 years to sell that many Macs and 5 years for that many iPods and over 3 years for that many iPhones. And we were extremely happy with the trajectory on all of those products.” 
  • Wer nicht in dieser Geschwindigkeit denkt, handelt und “mobilisiert”, wird sich schnell neben Zurückgelassenen wie MySpace wiederfinden. Denn jede Lücke,die die heute Großen lassen, wird schon heute irgendwo in irgendeiner Garage, irgendeinem Inkubator technisch geschlossen.


  • Veränderungswille. Facebook stellte kürzlich in einem offiziellen Statement fest: “We do not currently directly generate any meaningful revenue from the use of Facebook mobile products, and our ability to do so successfully is unproven. Accordingly, if users continue to increasingly access Facebook mobile products as a substitute for access through personal computers, and if we are unable to successfully implement monetization strategies for our mobile users, our revenue and financial results may be negatively affected.” 
  • Aber allein mit Werbemodellen wird das wohl kaum gelingen. So spekuliert der bekannte Tech-Blogger Hamish McKenzie ( http://pandodaily.com/2012/04/27 web-2-0-is-over-all-hail-the-age-of-mobile/) über mögliche Veränderungen bei Facebook “I suspect that Facebook will try to address that issue [of the shift to mobile] by breaking up its various features into separate apps or HTML5 sites: one for messaging, one for the news feed, one for photos, and, perhaps, one for an address book. But that fragments the core product, probably to its detriment.” Fragmentierung des Produktes bis auf die Grundfesten? Wenn nötig, um in der mobilen Welt dabei zu sein, dann ja. Wer nicht mitspielt, und das schnell, ist raus aus dem Haus.

Und was heißt das für die Welt der Marken? Beantworten Sie zum Start mal folgende Fragen.

  • Ist Ihre Website für mobile Endgeräte optimiert?
  • Benutzen Sie immer noch Flash? (Hinweis: Weg damit, weil für Mobile unbrauchbar..)
  • Denken Sie bei SEM auch über Siri nach? (Hinweis: Sollten Sie, geht nämlich schneller als Google. Und macht mehr Spaß…)
  • Haben Sie einen regelmäßigen Überblick über die neuesten Entwicklungen im Mobilmarkt?
  • Testen Sie im Rahmen Ihrer Markenkommunikation regelmäßig kreative mobile Ansprachemöglichkeiten und entwickeln sich mit dem Markt?
  • Haben Sie Ihren Kunden mal wieder beim “Moment of Truth”, dem Moment, in dem er ins Regal nach Ihrer Marke greifen soll, beobachtet? Und wissen Sie, wie Sie ihn in dem Moment noch einmal mobil bestätigen können? Ihre Konkurrenz denkt schon darüber nach, oder tut es bereits. Zu besichtigen u.a in einem Mediamarkt Ihrer Wahl zwischen den Regalen. Dort werden mit Millionen Werbe-Euro vorbereitete Kaufentscheidungen im letzten Moment mobil noch umgedreht durch mobile Preisvergleiche, Rich Media-Banner oder Ratgeber-Plattformen.

Vor allem aber: Verlassen Sie sich nicht auf Plattformen, lassen Sie sich nicht von Ihnen blenden, nur weil die gerade groß und angesagt sind. Und rennen Sie andererseits nicht jeder neuen Sau durchs Plattformdorf nach, die da durchgetrieben wird, nur weil sie vermeintlich hip ist. Orientieren Sie sich stattdessen an den Megatrends der digitalen Nutzung, dem Konsumenten, dem User. Hören Sie ihm genau zu. Der bestimmt, wo es langgeht. Und der will es in Zukunft vor allem mobil. Die Abstimmung dazu erfolgte bereits s.o. per Download und Handy/Tablet-Kauf.

  Wer mobil nicht bietet, ist mittelfristig raus aus dem Spiel. Auch, wenn er Google oder Facebook heißt. Auch, wenn er heute fast eine Monopolstellung hat. Die ist in Zeiten des rapiden Wandels der digitalisierten Welt lange nicht mehr so fest zementiert, wie einstige Monopole. Ausruhen darauf kann tödlich sein. Sich als Marke darauf zu verlassen auch.

5 Kommentare

Jens Kretschmann

03.05.2012 14:22 Antworten

Das "Internet" hat mit #ResponsiveWebdesign doch schon reagiert!

dingeundsachen

02.05.2012 14:11 Antworten

naja, also: das "internet" ist immer noch das "internet" ganz device und browser unabhängig.

michkon

02.05.2012 13:15 Antworten

Ich bin gerade an meinem nächsten Blogeintrag. Der sollte heißen: Das Ende der Website. – Da geben wir uns die Hand. – Ich wundere mich immer noch, dass Firmen ihre Website modernisieren oder relaunchen und dabei die grundlegend veränderten Nutzungsgewohnheiten außer acht lassen. Mein Ansatz wären ein Web-Environment, dass intelligent und "sensibel" genug ist, sich auf alle Plattformen und Geräte und Situationen des Users einzustellen – und immer genau das zu liefern, was der Nutzer erwartet. Und dafür braucht es mehr als nur schöne neue Designs. Sondern massive Daten-Intelligenz. – So kommt die IT beim Thema Internet doch wieder mal ins Spiel.

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