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Die Ideen-Twilight-Zone

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Letzte Woche habe ich hier (http://von-lobenstein.posterous.com/wo-die-ideen-herkommen) über Innovationen und ihre Mütter, die Ideen dazu, und wie sie in die Welt kommen, geschrieben. Worüber ich nicht geschrieben habe: Es gibt eine Zeit zwischen den großen Ideen. Ideen-Alltag. Markenalltag. Mein Freund und Werbetexter in einer niedersächsischen Werbeagentur, Alex Wallasch (alles weitere unter http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Wallasch) nennt das die Twilight-Zone. Und findet, das die nicht ausreichend gewürdigt wird. Also hat er es selbst getan. Und mir hat sein Beitrag dazu so gut gefallen, daß ich ihn gefragt habe, ob ich seine Mail an mich  veröffentlichen darf. Wie ab hier zu lesen hat er “ja” gesagt:

Re: Wo die Ideen herkommen (eine Antwort von Alexander Wallasch)

Ja doch, was wäre die Welt ohne Visionen. Ohne den Neuanfang. Ohne die eine gute Idee, aus der heraus sich faszinierende Veränderungen entwickeln. Die Veränderung zum Besseren hin. Der Schöpfungsmoment. Das ist die Sonntagsmesse. Das große Halleluja. Die Geburt der Marke. Immer wieder neu. Aus dem Nichts. Oder mindestens die Reinkarnation. Der gefeierte Relaunch. Nicht nur erfolgversprechend, sondern erfolgreich.
Nur: Die Woche hat sieben Tage. Das Jahr sogar 365. Und vor jedem Wochenende liegen fünf anstrengende, ermüdende Arbeitstage. Das sind die Tage der Pflege und Hege. Des Ausbaus. Der Verbesserung. Der x-ten Variationen ein und des selben Themas. Mailings, Anzeigen, Plakate, Heads und Copys. Fleißarbeit. Ohne Fleiß kein Preis.

  Ja doch, herausragender bleibt der Neuanfang, der Relaunch. Die Zeit dazwischen gehört dem Stiefkind. Ungeliebte Twilight-Zone. Dennoch Prägephase der Marke. Immer diese ewige Litanei. Brainstormfreie Zeit. Das sind die Stunden der Werberdrohnen. Die Zeit der Unauffälligen. Der Stillen. Der Zweiten. Der Klaglosen. Der Überstunden-Reißer. Hier in der charmearmen Zone der Festangestellten bekommt der aufgeregte Freelancer kein Bein auf den Boden. Da schaut er nur ungläubig über Schultern und entdeckt auf den Rechnern Kolonien von sauber abgelegten Ordnern. Gigabytemächtige Gedächtnisstützen. Markengestrampel. Nicht höher hinaus, sondern zunächst nur für den Status Quo. Denn die Grundbewegung heißt ja überall „abwärts“. Das ist das Naturgesetz des Marktes. Da ist auch kein Sumpf und kein tiefschürfendes Geheimnis. Nur reinstes klares Wasser. Durchschaubar bis zum Grund. Alles ganz einfach und interpretationsfrei: Wer hier nicht strampelt, ertrinkt. So wird also in immer neuen Variationen ein ums andere Mal ein und das selbe Thema neu erzählt.

  Aber wie schafft man das, ohne zu langweilen? Vielleicht so, wie man sich einen richtig guten Song immer wieder neu anhören kann. Die Songs der Stadionfüller. Stundenlang immer nur Interpretationen ein und der selben Idee. Über Jahre, Jahrzehnte wird das zum Erfolgsgeheimnis. Der Mut zur Kontinuität. Kombiniert mit großen Talent für Nuancen. Es wird erzählt, das Mick Jagger, als er zum ersten Mal Punk hörte, ganz aufgeregt verkündete, das er nun nur noch Punk spielen wollte. Das neue, das Aufregende, das Populäre. Aber als er damit zu Keith Richards ging, hat der nur energisch mit dem Kopf geschüttelt, genervt abgewunken und einfach stur weiter seine schrägen Riffs geschrabbelt. Klar, kann sein, Richards trug Scheuklappen. Aber was für ein Glück für Jagger, für die Fans. Für die Marke „Rolling Stones“! Viele lieben diese hingehuschten unaufdringlichen Pianolinien. Das  elementare Soundbett der Rolling Stones. Aber wer weiß schon, dass das vom Pianisten Ian Stewart stammt? Der Mann war Teil der Rolling Stones! Seine Finger bewegten sich, sein Piano hörte man klimpern, wenn sich Millionen von Stones-Platten auf den Endgeräten drehten. Im Hintergrund. Stewart war keine Rampensau. Bescheidene Soundpflege. Kontinuität. Und er war glücklich dabei. So zumindest scheinen das die wenigen Aufnahmen aufmerksamer Filmer zu bestätigen.

Also was soll’s? Und wer sagt denn eigentlich, das Gießkannen unglücklicher sind, als Gärtner? Wer sagt eigentlich, das es an der Front unterhaltsamer ist als in der Etappe? Ein Hoch auf die Etappe! Auf die vielen langweiligen Büros, in denen es etwas stiller, unspektakulärer zugeht. Dort wo die Wächter sitzen. Die Festangestellten. Die Buchhalter der Marken.

2 Kommentare

ctd03

13.12.2011 07:14 Antworten

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Karen

29.08.2011 09:27 Antworten

Ich kenne Wallasch beruflich. Sehr gut sogar. ;) Und natürlich ist sein Ansinnen hier, ebenso wie das von Hubertus zuvor – auch Wunschdenken. Denn wer täglich vorgibt, seine Idee wäre aber so etwas von der absolute Hammer und wer also meint, so unter Kreativdruck zu leiden wie Alexander und mir immer soooo großzügig die Fleißarbeiten überlässt, der wiederspricht sich hier charmant in Teilen. Und meine Überschrift wäre also für beide Postings: „Wunsch und Wirklichkeit“

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