Die Evolution entlässt ihre Kinder…
  • images
  • 21:02
  • images
  • 24 Kommentare.

Die Evolution entlässt ihre Kinder…

Sonntag, ein gemütliches Frühstück mit Freunden. Einer davon ist Psychiater von Beruf, sehr erfolgreich, Inhaber und Chefarzt von mehreren psychiatrischen Privat-Kliniken. Ich habe ihn schon länger nicht mehr gesehen. Er erzählt davon, dass er seine ganzen Kliniken umgestellt hat. Weg von den alten Patienten und hin zu den Kindern und Jugendlichen. Weil es immer mehr Patienten unter ihnen gibt, die psychiatrische Betreuung brauchen. Weil es immer mehr Jugendliche gibt, die nicht mehr mithalten können oder wollen mit der Geschwindigkeit ihres Lebens. Bis hin zum Selbstmord, zum finalen Ausstieg aus dem Rennen. Die nicht klarkommen mit dem neuronalen Dauerfeuer der Zeit, in der sie leben.

Der Mensch braucht Auszeiten, sagt mein Freund. Ein normales Gehirn kann nicht mit ständiger Erregung umgehen. Ständige Erregung spielt sich auch nicht nur im Kopf ab, sondern hat unmittelbare, oft unmerkliche Konsequenzen für den ganzen Körper. Die Evolution des Menschen hat in den letzten Jahren nicht mehr Schritt halten können mit der Entwicklung der Technik. Die Technik sagt: “Ich mache mir deine Neuronen untertan. 24 Stunden am Tag”. Die Evolution sagt: “Gib mir Auszeiten. Lass mich die Systeme mal runterfahren”. An seinen Patienten kann er ablesen, wie wenig die Evolution ihre Kinder noch auf die Technik vorbereitet, sagt mein Freund. Sie entlässt viele von ihnen in seine Obhut.

Und dann spricht er vom Einfluß der nie ruhenden sozialen Netze, dem Gefühl, das das Netz nie schläft und das seine Patienten ständig in dem Gefühl leben würden, etwas zu verpassen. Er redet vom Turbo Facebook und den anderen Plattformen, die Druck ausüben, direkt und indirekt. Sei immer angeschaltet, sei immer dabei, schalte nie ab, sonst schaltest du dich selbst ab. Unumkehrbar und für immer. Gerade junge Menschen, ohne ausreichende Erfahrung im Wegschalten, im Filtern von Informationen, im Hierarchisieren und Priorisieren fühlen sich belastet, unter Druck gesetzt, bedroht. Und das 24/7. Bis zum Weg in seine Klinik.

Denke ich daran, wenn ich das Loblied auf die unendlichen neuen Möglichkeiten singe, die soziale Netze für Marken bieten? Wenn ich mir für meine Kunden Gedanken mache, wie ich am geschicktesten die Marke mit ihren potentiellen Fans ins Gespräch bringe, deren Neuronen auf besondere Art befeuere? Bisher nicht. Aber ab heute schon. Nicht dadurch, daß ich meinen Job aufgebe, den ich liebe. Nicht dadurch, daß ich den sozialen Netzen abschwöre, die unser Leben bereichern, uns mehr Gestaltungsmöglichkeiten liefern und unsere Zukunft interessanter machen werden.

Stattdessen fange ich mit meinen Töchtern an, indem ich ihnen den “Aus”-Knopf zeige. Ich werde ihnen mit derselben Überzeugung, mit der ich meine Kunden für soziale Netze begeistere, davon erzählen, wie schön es ist, Aus-Zeit zu haben. Über 5 Minuten Nichtstun, die wichtiger sein können, als jeder Facebook-Post der nächsten sieben Tage. Von Filtern und Prioritäten und vor allem anderen vom Leben an sich, daß in seiner Einzigartigkeit zu spüren einem keine digitale Erfahrung ersetzt. Und dann werde ich versuchen, an beiden Schulen meiner Töchter genau dazu einen Vortrag zu halten. Zumindestens habe ich mir das heute vorgenommen. Und indem ich es hier öffentlich mache, setze ich mich selbst neuronal unter Dauerdruck, auch zu “liefern”. Sollte ich damit meinen Freund nur einen einzigen Patienten kosten, hätte sich ein plötzlich sehr nachdenklicher Sonntag wirklich gelohnt. Und vielleicht gelingt es mir ja hier, Mitstreiter zu finden….  

24 Kommentare

KelRarismib

01.08.2017 22:09 Antworten

Cheapest Levitra 20mg online pharmacy Prix Viagra Acheter

ChasMync

01.08.2017 22:02 Antworten

Levitra Originale Prezzo viagra Clavamox No Prescription

KelRarismib

20.07.2017 18:32 Antworten

Avis Sur Le Cialis 5 Mg cialis Propecia Soluzioni

KennPrexbeah

19.07.2017 21:42 Antworten

buy accutane from canada cialis Buy Viagra By Pill

ChasMync

19.07.2017 20:18 Antworten

Buy Outdated Promethazine Codeine Syrup cheap cialis Clomid Musculation

KennPrexbeah

14.07.2017 18:17 Antworten

Kamagra Nebenwirkungen viagra Progesterone Drugs Shipped Ups

ChasMync

14.07.2017 08:28 Antworten

Amoxicillin Or Cipro viagra Stendra

KelRarismib

13.07.2017 17:07 Antworten

Viagra 50 Mg Pfizer viagra Comprar Cialis En Vina Del Mar

KennPrexbeah

08.07.2017 23:16 Antworten

Dyazide Tablets viagra Zithromax Alert

ChasMync

08.07.2017 23:00 Antworten

Is Cephalexin Used For Abscess Tooth cialis Amoxicillin Symptoms

KelRarismib

07.07.2017 21:52 Antworten

Best Price Generic Cialis generic viagra Viagra Super Active

KelRarismib

02.07.2017 13:36 Antworten

isotretinoin shop viagra Generic Overnight Hydrochlorothiazide Medicine Online

KelRarismib

30.06.2017 06:21 Antworten

Overnight Shipping Of Levaquin buy cialis Viagra Ou Acheter Forum

KelRarismib

25.06.2017 20:54 Antworten

Viagra Bald Gunstiger Priligy Venta En Usa No Prescription For Levothyroxine 88mcg

KelRarismib

18.06.2017 11:47 Antworten

Clobetasol 30g With Free Shipping Viagra Discount Propecia Generic Finasteride Pattern Baldness

Ruben Peußer

22.11.2010 23:35 Antworten

Es geht dabei um Verantwortung. Um uns, unsere Umwelt, unsere Lieben, unser Leben.Und die Erkenntnis, dass technischer Fortschritt nicht unser Leben definiert, vielleicht unser Leben auch gar nicht in diesem Maße besser macht, als das es nötig wäre, dass sich unser Körper darauf einstellt sondern das es reicht, dass es ausreicht, dass wir unser Verhalten darauf einstellen.Bereits in der Bibel steht, dass der Mensch einen Ruhetag braucht (der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat) … und ich glaube, man braucht am Tag eine Stunde, in der Woche einen Tag, im Monat ein Wochenende, im Jahr eine Woche in der einfach nichts angesagt ist. Wirklich wichtiges und nicht wirklich dringendes…und das es dann völlig irrelevant ist, in twitter oder facebook der menschheit mitzuteilen, wie sehr man gerade diese auszeit genießt

helfenberg

19.11.2010 17:28 Antworten

"Chaos" und "Neue Ordnung" waren schon immer Grundlage einer Evolutionsbeschreibung. Einen gemächlicheren Evolutionsvorgang zu erreichen bedeutet, aktiv an längeren Ordnungsphasen zu arbeiten, und das störende Chaos so lang wie möglich fern zu halten. Aber ist das im Sinne des Universums ? Vielmehr muss gelernt werden, mit beiden Komponenten umzugehen, ganz im Sinne meiner Vorredner.

hubertus von lobenstein

25.10.2010 18:48 Antworten

@Alexander: Evolution ist grausam. Aber ich glaube, das die Technik sich in einer Geschwindigkeit fortentwickelt, die für den normalen und damit per definitionem eher gemächlicheren Evolutionsvorgang schlicht zu schnell geworden ist. Noch schnelleres, noch brutaleres Aussieben als evolutionäre Logik? Ich glaube, die Evolution ist schlicht überfordert….

Alexander

25.10.2010 17:14 Antworten

Ist ja alles richtig. alles richtig! Nur, ist ja ein ganz falsches Verständnis von Evolution. "Die Evolution des Menschen hat in den letzten Jahren nicht mehr Schritt halten können mit der Entwicklung der Technik"Im Gegenteil, die Evolution ist sogar so erbarmungslos, das sie, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, eben durch Selbstmord aussiebt. Die Evolution macht eben eines nie: alle mitnehmen. Grausam, aber wahr.

Michael Wolf

25.10.2010 14:10 Antworten

<html><head></head><body style="word-wrap: break-word; -webkit-nbsp-mode: space; -webkit-line-break: after-white-space; ">@Hubertus: Ich gebe Dir völlig Recht. Ein "wichtig/unwichtig"-Schema ist essentiell und wird immer unverzichtbarer. Die Info-Flut wird immer weiter steigen. Der Mensch hingegen verändert seine Auffassungsfähigkeit, wenn überhaupt, nur langsam.<div>Ein derartiges Schema setzt aber voraus, dass man akzeptiert, nicht alles "wissen zu können". Dieser Mut zur Lücke ist nicht jedem gegeben und wird auch meist von unserer Gesellschaft nicht honoriert.</div><div><br></div><div>Im Übrigen bin ich überzeugt, dass auch&nbsp;viele unserer Generation&nbsp;diese Fähigkeit&nbsp;ebenfalls&nbsp;nicht besitzen. Wir verfügen zwar über mehr Erfahrung in der Selektion, aber nicht über mehr Mut den Abschaltknopf zu betätigen. Ausnahmen bestätigen die Regel :-) </div><div><br></div><div>Danke Dir für den Link. Sehr interessanter Artikel, der hervorragend zwischen Facebook-Freunden/Netzen und echten Freunden/Netzen differenziert. Hat mir gefallen ;-) </div><div><br></div><div><div><blockquote type="cite"> <div style="width: 600px; font-size: 12px; font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; line-height: 18px;" class="PosterousEmail"></div></div></div></body></html>

hubertus von lobenstein

25.10.2010 12:56 Antworten

@Michael: Ich stelle immer fest, dass meine Selektionsmechanismen der Marke "Alte Schule" auch in der digitalen Welt ganz gut greifen. Ausserdem haben wir eher die Weisheit, zu akzeptieren, das wir nicht überall dabeisein können und auch nicht alles wissen können. Und auch nicht müssen. Genau daran scheitern gerade junge Leute. Das ständige Gefühl, etwas zu verpassen, nicht da zu sein, wo man sein müsste, nicht über die Informationen zu verfügen, die notwendig sind – das ist wohl der größte Treiber hinein in pathologische Befunde. Jugendlichen dieses Gefühl zu nehmen, ihnen zu helfen, sich selbst ein "wichtig/unwichtig"-Schema zu entwickeln – da können wir helfen. In dem Zusammenhang hier ein interessanter Artikel von Malcolm Gladwell aus dem New Yorker: http://www.newyorker.com/reporting/2010/10/04/101004fa_fact_gladwell

hubertus von lobenstein

25.10.2010 12:45 Antworten

@Oliver: Habe Eure Reise auf Facebook verfolgt und war sehr neidisch!! Ich hoffe, das erlernte Talent zum Ausschalten bleibt Euch wirklich erhalten….

Michael Wolf

25.10.2010 12:11 Antworten

Ein leider sehr wichtiges Thema, was noch zu sehr tabuisiert wird. Und auch nicht bei Kindern halt macht. Bei zuvielen Freunden, Mitarbeitern, Kollegen in meinem Umfeld hat sich in den letzten 2-3 Jahren die 24/7-Dauerbelastung und Bombardierung mit einem Burn Out gerächt. Weil sie nicht mehr abschalten konnten.Ich bin selber ein großer Verfechter der neuen digitalen Welt und ihrer Möglichkeiten, der ubiquitäteren Erreichbarkeit – ein echter Geek. Aber leider muss ich annerkennen, dass der Mensch mit der Technik und den daraus wachsenden Anforderungen oft nicht mehr mithalten kann. Und vielleicht auch den verantwortlichen Umgang mit der Technik nicht gelernt hat. Von wem auch? Damit musste sich vor uns keiner beschäftigen.Wir müssen lernen abzuschalten. Und wir müssen akzeptieren, dass der Mensch nicht für 24/7/365 geschaffen ist.Bewusst darauf einzugehen, lernen "abzuschalten", bereits Kinder darauf aufmerksam zu machen halte ich für notwendig und richtig …

oliver gronewald

25.10.2010 11:53 Antworten

exakt! der mensch brauch auszeiten. auch unser grund, warum wir nunmehr ein jahr quer durch europa gefahren sind. abstand gewinnen, ruhe einkehren lassen. es war nicht einfach zu lernen, die finger vom laptop und tv zu lassen. aber jetzt, wo wir es gelernt haben, ist es um so lebenswerter.grüßeo.

Hinterlasse einen Kommentar