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Der ROI von Stille

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(Quelle: http://www.flickr.com/photos/blech/4976399329/)

Gibt man bei Google den Begriff “ROI Social Media” ein, dann hat man die Auswahl zwischen 49.500.000 angebotenen Links. Da wimmelt es dann von Währungen, Modellen, Berechnungen und Tabellen. Sales, Leads, Clicks, Influence, Engagement, Retweets, Reposts, Kundentreue, Kundenbindung – einig sind sich die 49.500.000 Artikel bei der Frage, wie man denn nun was wie zu bewerten habe vor allem in einem: Nichts genaues weiß man nicht! Und dann folgt meist die völlig richtige Schlußanalyse: Es kommt immer auf den jeweiligen Fall, die jeweilige Marke, die jeweilige Audience an. Hilft zwar nicht wirklich weiter, aber da es allen so geht, bleibt die Marken-Gemeinde wenigstens kollektiv auf hohem quantitativen Erkenntnisniveau verunsichert. Und liest den nächsten der 49.500.000 Artikel in der Hoffnung, doch noch die eine Geheimformel zu finden.

Die Strategie rund um den diesjährigen Grammy, einfach zusammengefasst mit den Worten von Beverly Jackson, der Marketingchefin der Recording Academy: “Wir wollten überall da sein, wo sie (die Fans) sind”. Was folgte, war ein schon Wochen vor dem Grammy einsetzendes Social Media-Feuerwerk auf Facebook, Twitter, YouTube, Instagram, Tumblr, Google und vielen anderen Plattformen. Mit Shazam und Pandora ließen sich die Acts live taggen, Grammy.com und Apps für iPad und iPhone besorgten den Rest mit zusätzlichen Wettbewerben und Hintergrundinformationen vom roten Teppich. Ergebnis: In der Spitze gingen während der Übertragung rund 10.000 Tweets pro Sekunde zum Thema Grammy raus. Insgesamt wurden 3,9 Mio Social Media-Erwähnungen mit explizitem Grammy-Bezug gezählt. Viel hilft viel also als geheime Formel?

Und dann kam Jennifer Hudson und sang den Whitney Houston-Tribute “I will always love you”. Und mit ihr kam die Stille. Zitat Beverly Jackson: ““Once Jennifer hit the stage, all traffic came to a complete stop. People stopped talking and they listened.” Kein Tweet, kein Post – Handy und Laptop zur Seite gelegt. Nur hören, sehen, fühlen.

Die Marketing-Bibel sagt: Es fängt mit Aufmerksamkeit an. Und die wird beim Thema Social Media gemeinhin in Tweets, Posts u.ä. Währungen gemessen. Keine Tweets, keine Posts?  Dann ist es auch nicht aufgefallen, vorbeigesegelt an der Audience wie ein Segelschiff bei Nacht. Das Leben sagt: Es fängt mit Aufmerksamkeit an. Ungeteilter Aufmerksamkeit. Ungeteilter Hingabe. Keine Tweets, keine Posts? Einfach ein Zeichen dafür, das Menschen wichtigeres zu tun haben. Nämlich den Moment, der ihnen bereitet wird, zu genießen. Unablenkbar. Ungeteilt. Im wahren Leben. Unvergeßlich.

Können Marken solche Momente schaffen? Mit kreativem Mut und Gefühl für die Audience ganz sicher. Kann diese Art von Stille zur wichtigen Währung für Social Media, zum Ziel einer Kampagne, zum Maßstab für besonderen Erfolg, zum ROI werden? Angesichts von 49.500.000 alternativen Angeboten, allesamt besser auf Powerpoint darstellbar, wohl eher nicht. Schade eigentlich, oder?

3 Kommentare

Cornelia Ulrich

23.02.2012 09:42 Antworten

The joy of silence.

Sascha Stoltenow

21.02.2012 11:30 Antworten

1 dies – millions cry, millions die – noone cries.

TimSK

21.02.2012 09:39 Antworten

Wunderbar beobachtet. Oder um es mit dem BBH Motto zu sagen: When the world zigs, zag.

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