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Botschaft an den unbekannten Social Media Experten

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Lieber Social Media-Experte,

Du bist also Social Media Experte, weil Du bei Facebook, Twitter, Google+, Linkedin, Foursquare dabei bist und, ach ja, beinah hätte ich es vergessen, auch noch einen eigenen Blog schreibst? Na bravo, lieber Netzbürger! Vergiß nur beim Kunden nicht zu erwähnen, daß das heutzutage auf hunderttausende Deutsche zutrifft. Einziger Unterschied: Die nennen sich nicht Experten, sondern Nutzer.

Du bist also gar kein Social Media Experte. Sondern, viel schicker, ein Social Media Evangelist, Guru, Architekt, Pionier, Mentor, Ninja (mein absoluter Favorit) oder was das Handbuch für Fantasietitel noch so alles hergibt? Berlusconi nennt sich Präsident, aber er bleibt am Ende doch nur ein zu Macht gekommener, peinlicher “dirty old man”. Helmut Schmidt ist nur noch Altkanzler. Und bewegt doch mehr als so manch Politiker in Amt und Würden. Merke: Wer Social Media kann, braucht keinen wichtigen Titel als Beweis. Wer es nicht kann, dem hilft auch der Titel nicht.

Du bist also Social Media Experte, weil Du jahrelang im Marketing/ in einer Werbeagentur gearbeitet hast. Und schon immer ein Faible für CRM und Websites hattest, Dich also mit Dialog auskennst? Klingt nachvollziehbar. Etwa so nachvollziehbar, wie Westerwelles Behauptung, 30 Jahre Politikerfahrung qualifizieren  zum Außenminister. Etwa so nachvollziehbar wie der Bauer, der sich zum Experten in Sachen barocke Parkanlagen erklärt. Irgendwie hat das eine schon mit dem anderen zu tun. Aber eben nur irgendwie.

Wann man wirklich Experte ist? US-Neurologe Daniel Levitin von der McGill Universität in Montreal meint: “Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything. In study after study, of composers, basketball players, fiction writers, ice skaters, concert pianists, chess players, master criminals, and what have you, this number comes up again and again. Ten thousand hours is the equivalent to roughly three hours per day, or twenty hours per week, of practice over ten years”. Und auch Malcolm Gladwell hat die 10.000-Stunden-Regel in seinem Buch “Outliers” verwendet.

10 Jahre Erfahrung? Myspace ging 2003 an den Start, Facebook 2004, Twitter 2006. Xing war 2006 noch Open BC und Linkedin ist seit 2003 aktiv. Rein biologisch sieht es da schon schlecht aus mit dem selbstverliehenen Social Media Expertenstatus. Tu mir, dir und den Marken da draußen also bitte einen Gefallen, lieber Social Media Experte: Erst mal 10.000 Stunden ableisten. Und dann rufe Dich gerne selbst zum Experten aus. Und wecke nicht Erwartungen, die Du nicht erfüllen kannst. Das schadet Marken, Kunden und in der Zukunft denen, die sich gerade leise und bescheiden zu den Social Media Experten der Zukunft entwickeln.

Danke fürs Lesen!

Hubertus von Lobenstein  

 

24 Kommentare

jean-luc

23.11.2011 06:49 Antworten

man muss zuerts expert im verkaufen von Leistungen und dann über die Übung und die gestellte Aufgaben sich immer weiter verbessern. wie social media funktionniert ( handwerklich) ist vielen gegeben. Kreativität und Aufmerksamkeit erzeugen, das ist die kunst der werber.

Hen Hermanns

21.11.2011 10:01 Antworten

Das mit den 10.000 Stunden stimmt. Aber das hier leider auch. Anstrengen reicht nicht, Talent muss sein. http://www.nytimes.com/2011/11/20/opinion/sunday/sorry-strivers-talent-matters.html?_r=4

dirk

08.11.2011 10:10 Antworten

Ja, aber worüber regst Du Dich auf? Es gab doch schon immer die Guten und die Schlechten. Ich hab auch eben wieder mal eine schlechte Anzeige gesehen… und warum soll es dann nicht auch Leute geben, die sich als Facebook Guru was dazuverdienen. War doch schon immer so.Solange man hinter diesen Fachleuten nicht aufwischen muss.

Sven Jan Arndt

08.11.2011 10:04 Antworten

Exakt – gerade in letzter Zeit tummeln sich gerade im Rheinland immer mehr sog. Experten rum, die ohne eine Ausbildung, ohne jegliche Erfahrung den Klein- und Mittelständlern facebook und Googleoptimierungen kombiniert verkaufen und das für einen vermeintlichen Spotpreis. Da kann einem echt die Hutschnur hochgehen, wenn man dann serriöse Arbeit macht. Nur wie dem Einhalt gebieten? Mit dem klassischen Verfahren der offiziellen Zertifizierung? Ist zwar total retro, aber leider scheint man sowas in Deutschland nicht anders in den Griff zu bekommen, denn die Kunden sind teilweise so naiv, dass sie nicht mal wissen, wie man vernünftig mit Google umgeht.

Johannes

08.11.2011 10:04 Antworten

Hmjoa… kann man mal so stehen lassen.

dirk

06.11.2011 10:58 Antworten

Ob der erste Mensch auf Nordpol schon 10.000 Stunden vorher auf dem Nordpol war?

Cloud Evangelist

04.11.2011 11:52 Antworten

Naja wie immer im Leben sind Titel nur Schall und Rauch. Der Wert einer Kommunikation gleich welcher Netur misst sich nicht am Titel unter der Unterschrift. Das sage ich jetzt obwohl ich mich selber als Cloud Evangelisten bezeichne. Aber mit dem Verständnis, das Cloud eine weitere Betriebsform ist, 4+ Jahren Vollzeit Cloud Erfahrung und 10+ Jahre im Outsourcing qualifiziere ich mich vielleicht ja auch unter Berücksichtigung der 10k Stunden Regel. Ein Titel hat viel mit dem Ego und nur manchmal auch mit der EInordnung einer Person in ein Thema zu tun. Ich hatte Spaß beim Lesen, danke.

Tillmann Allmer

04.11.2011 09:42 Antworten

Wenn man den Job Vollzeit macht, sind’s nur 250 Wochen, also nur 4,8 Jahre bis zum Expertenstatus. Rechnet man dann noch Überstunden und die Abendstunden und Wochenenden hinzu, zack ;-)

Alexander Wallasch

04.11.2011 07:54 Antworten

Hier ist letztlich in zweierlei Hinsicht der Leitgedanke dieses Post enthalten:http://www.zeit.de/lebensart/2011-11/markenprodukte-flickr

Thomas Koch

04.11.2011 00:38 Antworten

Hubertus hat mal wieder Recht. Ich melde mich dann in etwa acht jahren wieder bei euch. Und suhle mich solange darin, wenigstens ein Media-Experte zu sein. In Sachen Social bin ich eben doch nur ein Anwender. Aber ein leidenschaftlicher Anwender…

Stefan

04.11.2011 00:29 Antworten

Ich gebe Dir teilweise Recht. Es gibt viele Unternehmen und/oder "Experten", die die Unwissenheit mancher Kunden ausnutzen und teure "Social Media-Konzepte", die schlussendlich aus einer Facebook-Fanpage bestehen, anbieten. Manche dieser "Experten" wissen denn auch nicht, dass es Plattformen wie mySpace gibt, was es nicht besser macht. Die Bezeichnung Experte trifft nicht. Experten gibt es nicht, höchstens Berater, die mehr oder weniger kompetent sind, eine Marke oder ein Event sinnvoll mit Social Media zu verbinden (und auch den Mut haben, dem Kunden zu sagen, dass Social Media bei ihm keinen Sinn macht). Kritik allerdings: eine Pauschalaussage der 10.000 Stunden bis zum "Expertenstatus" halte ich für fragwürdig. Das hängt von vielen Faktoren des jeweiligen Gebietes ab.

Onno let the dogs out

03.11.2011 22:20 Antworten

Expertentum ist immer das Wissen über ein Thema im qualitativen Verhältnis zu seiner Komplexität. Folgerichtig gilt für den einen oder anderen Stoff die 10K-Stunden-Regel durchaus. Die Komplexität von Social Media ist aber angenehm überschaubar. Wenn man das alles für Hexenwerk hält, über das noch niemand Expertenwissen innehaben kann und demnach auch keinen Titel dazu führen sollte (kreisch: ein Novum in der Reklame-Branche!), ist das okay. Gibt ja auch Leute, die glauben, der Storch brächte die Kinder oder Westerwelle sei Außenminister.

SMExperten

03.11.2011 18:46 Antworten

Wenn hier jemand Experte ist, dann Wir!Damit das mal klar ist…

Enrico

03.11.2011 14:45 Antworten

Beim Social Media Ninja musste ich herzlich lachen, kannte ich noch nicht. Und auch wenn Du im Grunde richtig liegst dass gefühlte 99% der selbsternannten Social Media Professionals eigentlich keine Ahnung haben müssen sich Marken und Unternehmen auch auf diesem Feld beraten lassen.Die Plattformen bieten einfach zu viel Reichweite um sie auf Jahre zu ignorieren. Wer Glück hat trifft auch einen Typen der wirklich Ahnung hat und wunderbare Konzepte entwickeln kann.

hubertus von lobenstein

03.11.2011 14:37 Antworten

@Berthold Raschkowski: Homer Simpson hat recht!

Alexander Wallasch

03.11.2011 13:40 Antworten

Danke Frank.

Frank Kaulen

03.11.2011 13:39 Antworten

kurzer Kommentar: sehr gut formuliert! Wahrheiten müssen ausgesprochen werden.

Alexander Wallasch

03.11.2011 13:38 Antworten

Alles Soße. Man braucht keine 10 Jahre, sondern exakt drei Tage und drei seriös recherchierte Artikel um festzustellen, was Facebook ist. Dann sollte man sich dort verabschieden. Und wenn man sich dann noch traut, das seinem Kunden anzubieten, dann sollte man als zweiten Schritt die Branche wechseln.

Bertold Raschkowski

03.11.2011 13:23 Antworten

10 Jahre Social Media-Erfahrung geht doch: Ende der 90er gab es den Vorläufer von Facebook, theglobe.com (1999 hatte es ein schönes Interview mit den beiden Gründern im Spigel). Die Zeit war damals noch nicht reif..Außerdem: "Du kannst alles anbieten, was Du nur willst. Du musst nur einen Trottel finden, der bereit ist Dir dafür Geld zu zahlen" (Homer Simpson)

Matthias Maschmann

03.11.2011 13:22 Antworten

Danke für das Aufräumen! Das war mal wieder nötig…@Jaime: Ich bin fest davon überzeugt, dass Achmed und der Einkäufer beide Experten für Obst und Gemüse sind! Der Vergleich ist ein bisschen wie Äpfel und Birnen. Aber beides ist Obst…

David Gray

03.11.2011 13:11 Antworten

Ganz klar versteht Achmed mehr von Gemüse – in Bezug auf seine Kundschaft um die Ecke und deren ganz speziellen Vorlieben. Deswegen macht ihn ja auch noch keiner zum Frischgemüse-Einkäufer bei Metro, die ganz andere Anforderungsparameter an einen Einkäufer stellen.

Jaime

03.11.2011 13:00 Antworten

@David die Frage ist doch eigentlich nur: Wer versteht mehr von Obst und Gemüse, Achmed in seinem 50 qm Laden oder der Obst-und-Gemüse-Einkäufer der Metro-Gruppe?

David Gray

03.11.2011 12:57 Antworten

Soundbites im Outerspace – mein absoluter Favorit war der Social Marketing Experte der mir für 5.000 Euro anbot mir ein" 10 Point optimted Facebook Professional Profile" zu erstellen. Er nahm Kontakt mit mir auf, indem er einen Kommentar auf meinem Blog hinterließ. Dem Blog eines Autors wohlgemerkt – nicht etwa eines Traktorenherstellers oder persönlichem Bleistiftanspitzers. Sein Kommentar enthielt bei etwa 60 Worten 9 Rechtschreibfehler. Ich habe mich nach langem Zögern dazu entschlossen den Kommentar NICHT freizuschalten. Keine Sekunde zögerte ich allerdings mit der Entscheidung das Angebot des Mannes zu verwerfen.

Jaime

03.11.2011 12:49 Antworten

Guter Text Hubertus! Das wird Diskussionen geben! Vielleicht so viel: – wer beim Kunden "leise und bescheiden" auf Social Media hinweist, zeigt doch an, was er von der Sache hält. Was wäre Advertising, wenn nicht auch immer Visionär, vorausschauend und spekulierend? Abwarten und Tee trinken ist eben die andere Abteilung. Die mit den Zahlen und dem Bank-Meeting im November. Wir hauen auf den Putz, spielen Vollprofi. Wir kennen die Geschäfte, die Marken unserer Kunden besser als sie selber. Wir spielen doch in jeder Präsentation Allwissend. Klar kann man da zwischendurch mal auf bescheiden machen. Aber als Strategie – als sympathischen Ausreißer. Und auch klar, wo wir 10.000 Stunden brauchen, braucht der 10 Jahre jüngere eben nur 5000 Stunden. Dann sollten wir ihn einstellen, anstatt alle zur Besonnenheit zu mahnen.

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