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5 spontane Einsichten auf einer Zugfahrt

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Samstag, 2 Tage intensive Workshop-Moderation hinter mir, eine 4-stündige Zugfahrt Richtung Berlin vor mir. Zu müde zum Arbeiten, zu müde zum Lesen. Zeit zum Nachdenken. Erst kreisen die Gedanken um den Workshop, dann um 7 Monate Aimaq von Lobenstein. Um gewonnene und verlorene Präsentationen, erfüllte und noch unerfüllte Hoffnungen und Versprechen, Pläne im Schrank und solche, die realisiert wurden, spannende Kollegen und neue Freunde. Was war, was ist und was ist möglich. Spontane Zwischenbilanz ohne konkreten Anlaß, einfach so. Das Ergebnis: 5 ungeordnete Einsichten aus 7 Monaten und ein Vorfreude-Lächeln auf die nächste Arbeitswoche, den Start von Monat 8…

1. Es muß nicht immer Achterbahn sein.

Emotion bewegt. Und ich kenne wenig Jobs, die so emotional sind, wie die im Markenkommunikationsgeschäft. Kurzfristige Erfolgserlebnisse oder momentane Katastrophen – jeder Tag der letzten 7 Monate war eine kleine Achterbahnfahrt. Das hält man nur als Achterbahnprofi langfristig durch. Als solcher lohnt sich manchmal der Blick zurück auf die letzten 100 Fahrten, um die etwas weniger tollen Erlebnisse und auch die absoluten Highlights richtig einzuordnen. Langfristig zu wissen, wo wir mit unserer Company hin wollen und mit Geduld die richtigen Schritte in die richtige Richtung zu machen versorgt mich zwar nicht immer mit täglichen Adrenalinschüben. Aber mit einem andauernden Gefühl tiefer Zufriedenheit.

2. Nein ist wichtiger als ja.

Neue Kunden, neue Projekte, neue Themen – in den letzten Wochen hatten wir viele Möglichkeiten und Chancen, neue Herausforderungen in Angriff zu nehmen. In fast allen Fällen waren wir überzeugt davon, daß wir in der Lage sind, sie zu meistern. Nur: Nicht alles, was man zu können glaubt, sollte man auch tun. Denn jede Marke hat eine Kernkompetenz, Kerntalente. Unsere Kernkompetenz ist Creative Brand Consulting. “Das kriegen wir bestimmt irgendwie hin!” führte meist nicht zu erstklassigen Leistungen. “Hell yeah, das passt genau zu uns” dagegen führte zu maximalem Talenteinsatz und Leidenschaft. Und damit zum Erfolg. Kein “Hell Yeah”? Dann in Zukunft noch konsequenter ein klares “Nein danke!”

3. Zufriedenheit ist Ergebnis von Eliminierung.

In der Arbeitswelt und in dem Arbeitsumfeld, in dem wir mit unserer Truppe unterwegs sind, sind langfristige Sicherheiten ein rares Gut. Vieles von dem, was wir tagtäglich tun, ist neu für uns. Neue Technologie, neue Strategie, neues Denken. Um herauszufinden, wo der Platz für jeden Einzelnen von uns in dieser Welt ist, der Platz, an dem wir unsere berufliche Erfüllung finden, müssen wir probieren, testen, verwerfen, neu anfangen. Immer wieder und immer öfters. Da werden Erwartungen mal nicht erfüllt, eigenes Talent falsch eingeschätzt, Anforderungen unterschätzt. Aber in einer Arbeitswelt ohne Vorab-Garantie auf Berechenbarkeit entsteht Sicherheit und Zufriedenheit nur durch eigenes Probieren und solange verwerfen, bis es schließlich passt. Deshalb gilt: Nicht die kritisieren, die probieren (und deshalb eben auch Fehler machen), sondern die, die es nicht tun und im überholten Status Quo verharren.

4. Schneller ist besser.

Ob wir wollen, oder nicht: Wir leben in einer Arbeitswelt des “Jetzt sofort”. Die so schön ausgedachte Struktur greift nicht? Jetzt sofort ändern. Der Kunde hat ein Problem? Jetzt sofort reagieren und lösen. Der Personalmarkt gibt das gesuchte Talent nicht her? Jetzt sofort Suchprofil ändern. Das neue Strategieinstrument arbeitet nicht? Jetzt sofort in die Tonne damit und neu entwickelt. Nichts auf die lange Bank schieben, jetzt sofort angehen. Nur durch Schnelligkeit gelingt es, unseren Kunden immer wieder einen Schritt voraus zu sein und Probleme zu erkenne, ihre Lösungen parat zu haben, bevor es zu spät ist. Sich vorzumachen, man könne das alles entschleunigen mag sich für den Moment richtig und konsequent anfühlen. Aber am Ende führt es konsequent dazu, abgehängt zu werden. Wir müssen uns mit dem Gefühl vertraut machen, uns mit vielen unserer Lösungen sozusagen permanent in der Beta-Phase zu befinden, immer bereit zur schnellen Überarbeitung.

5. Projekte tun nicht weh.

Im Gegenteil: Wir kommen immer stärker Richtung projektgetriebener Zusammenarbeit mit Kunden. Das wirkt auf den ersten Blick oft unkomfortabler als die gewohnten netten Retainer am Monatsende. Und erfordert in Sachen flexiblere Agenturstruktur und einer stärkeren Vertriebsmentalität neues Denken und neue Modelle. Klar sind Monatsretainer schön beruhigend für Kopf und Kasse. Aber Projekte sind dafür klar ein- und abgrenzbar sowohl finanziell, als auch was die Erwartungshaltung des Kunden betrifft. Und sorgen ständig für Chancen, neue Erfahrungen zu sammeln.

Müde eingestiegen, fröhlich und vorfreudig ausgestiegen! Danke, liebe Bahn, für eine wirklich gute Zugfahrt. Und weiter geht´s….

  

1 Kommentar

Kai

07.02.2012 10:05 Antworten

Bis auf den Schnelligkeits-Aspekt kann ich den Ausführungen unbedingt zustimmen. Jedoch bin ich der Überzeugung, dass es einen Unterschied zwischen allgemeiner Beschleunigung des Denkens, der Technologie und der Prozessabläufe auf der einen, und dem übereilten Ablegen von Überzeugungen, Ideen und Idealen auf der anderen Seite gibt. Alle auftretenden Probleme mit einem "jetzt sofort" abwickeln zu wollen, halte für zu kurz gedacht und gesprungen… Überarbeitung gut und schön – wir müssen nur aufpassen nicht in Flickschusterei zu enden und die anstelle eines fein gewebten Projektteppich einen wilden Quilt zu produzieren.

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